Monza ganz in rot

21. September 2004, 12:31
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Ferrari-Doppelsieg durch Rubens Barrichello und Michael Schumacher - Jenson Button Dritter, Klien nach desast­rösem Rennen auf Platz 13

Monza - Rubens Barrichello und Michael Schumacher haben am Sonntag beim Europa-Abschied der Formel 1 für eine perfekte Ferrari-Party gesorgt. Trotz anfänglicher Probleme sorgten die beiden vor 70.000 Tifosi für einen Doppelsieg. Den bereits neunten heuer, erstmals aber fuhr dabei der Brasilianer vor dem siebenfachen Weltmeister über die Ziellinie und kam mit seinem achten GP-Sieg dem Vize-WM-Titel schon ganz nahe. Der Österreicher Christian Klien (Jaguar) blieb als 13. ohne WM-Punkte.

Eine rote Demonstration

Auch wenn Barrichello letztlich den Sieg ein wenig "geschenkt" bekam - dieses Ferrari-Double im Autodromo di Monza war eine erneute Machtdemonstration der Roten aus Maranello und eine Demütigung für die Konkurrenz. Denn Pole-Mann Barrichello hatte trotz des auftrocknenden Kurses als einer von wenigen auf Regenreifen gesetzt und musste deshalb schon in der 5. Runde erstmals an die Box. Noch schlimmer erging es Schumacher, der nach einem Verbremser und einem Dreher in der zweiten Schikane nur als 15. aus der turbulenten ersten Runde zurückkam.

Was eine unerwartete Situation ergab. Fernando Alonso führte, Klien sah sich durch die turbulenten Ereignisse von Startplatz 14 auf Platz sechs vorgespült, die Ferraris hingegen lagen nur auf den Plätzen neun (Barrichello) und elf (Schumacher). Aber dann lief trotzdem wieder einmal alles für die Italiener, die ja als Konstrukteurs-Weltmeister längst feststehen. Während Spa-Sieger Kimi Räikkönen mit defektem Mercedes-Motor ausrollte, holten Schumacher und Barrichello Platz um Platz auf. Und auch die Blitzrechnung von Ferrari-Superhirn Ross Brawn ging wieder einmal auf.

Rote Rekordrunden

Der hatte nämlich Barrichello wegen des ungeplanten frühen Reifenwechsels eine Dreistopp-Taktik befohlen und der Brasilianer setzte diesen Ersatzplan perfekt um. Während sich auch Alonso mit einem Dreher ins Kiesbett verabschiedete, drehte Barrichello Rekordrunden und holte so viel Vorsprung auf den führenden Jenson Button heraus, dass er nach dem dritten Stopp als Führender auf die Piste zurückkam.

In dieser rennentscheidenden Phase (43. Runde) überholte Schumacher gleichzeitig den britischen BAR-Piloten auf der Strecke und diese erstmalige Doppelführung gaben die beiden Ferrari-Piloten nicht mehr aus der Hand. Schumacher attackierte Barrichello im Finish nicht mehr, der Brasilianer kann jetzt in China bereits den Vizeweltmeistertitel fixieren. Und weil Renault leer ausging, liegt BAR dank der Plätze drei (Button) und vier (Takuma Sato) in der Konstrukteurs-Wertung nun auf Platz zwei.

Strahlender roter Sieger

"Es war eine schwierige Entscheidung. Ich dachte, ich kann mit Regenreifen einen Vorsprung herausfahren, bin aber einfach zu lange draußen geblieben", erklärte Barrichello die Reifenprobleme, gab sich dann aber natürlich als strahlender Sieger. "Weil ich wirklich dachte, es sei bereits alles verloren."

Schumacher hatte kein Problem, kampflos auf den 13. Saisonsieg im 15. Rennen verzichtet zu haben. "Platz zwei hätte ich nach dem Dreher nicht mehr für möglich gehalten, am Ende mussten wir die Motoren schonen", erklärte der 35-Jährige seine Zurückhaltung im Finish. Wichtiger als der Sieg war dem Rheinländer offensichtlich, bei der FIA-PK seiner Großmutter zum 80. Geburtstag zu gratulieren.

Konkurrenz und Schamesröte

Sogar Button gestand: "Die Ferrari waren heute nicht zu holen." Niki Lauda war vol des Lobes und der Schelte: "Da haben die Ferraris Probleme über Probleme und feiern trotzdem einen Doppelsieg. Die Konkurrenz sollte sich schämen."

Christian Klien konnte zwei Wochen nach Platz sechs in Spa kein weiteres Erfolgserlebnis verzeichnen. Nur in der Anfangsphase kamen beim Vorarlberger Hoffnungen auf neuerliche WM-Punkte auf, der zweite Reifensatz war aber so desaströs, dass er weit zurückfiel. Dazu kassierte er wegen eines defekten Geschwindigkeitsbegrenzers noch eine Drive-Through-Strafe und musste am Ende auch noch in den Notausgang, als Schumacher am Ende der Zielgeraden Button ausbremste.

"Schade um das kämpferische Rennen, das heute leider unbelohnt blieb. Im zweiten Stint waren die Reifen einfach schlecht, die Balance war nicht gut", sagte der Hohenemser. Auch Jaguar-Teamkollege Mark Webber blieb als Neunter ohne Punkte. (APA)

Endstand Italien-GP nach 53 Runden a 5,793 km = 306,720 km:

1. Barrichello (BRA) Ferrari 1:15:18,448
                 (Schnitt: 244,374 km/h)
2. Schumacher (GER)  Ferrari    + 1,347 
3. Button (GBR)      BAR        + 10,197
4. Sato (JPN)        BAR        + 15,370
5. Montoya (COL)     Williams   + 32,352
6. Coulthard (GBR)   McLaren    + 33,439
7. Pizzonia (BRA)    Williams   + 33,752
8. Fisichella (ITA)  Sauber     + 35,431
9. Webber (AUS)      Jaguar     + 56,761
10. Trulli (ITA)     Renault  + 1:06,316 
11. Zonta (BRA)      Toyota   + 1:22,531
12. Massa (BRA)      Sauber   +  1 Runde
13. Klien (AUT)      Jaguar   +  1 Runde
14. Heidfeld (GER)   Jordan   +  1 Runde
15. Baumgartner (HUN)Minardi  +  3 Runden
Ausgeschieden: Kimi Räikkönen (FIN) McLaren-Mercedes, Fernando Alonso (ITA) Renault, Olivier Panis (FRA) Toyota, Giorgio Pantano (ITA) Jordan-Ford, Gianmaria Bruni (ITA) Minardi-Cosworth
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Diesmal ließ Rekord-Weltmeister Schumacher seinen bescheidenen Teamkollegen, Rubens Barrichello, ganz vorne fahren und damit auch ganz oben stehen.

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