Küberl: Annahme des Rücktritts steht bevor

12. September 2004, 19:33
1 Posting

Caritas-Präsident zu St. Pöltener Priesterseminar: "Heilfroh, dass das Ganze öffentlich geworden ist" - "Guter Neubeginn möglich"

Wien - Caritas-Präsident Franz Küberl geht davon aus, dass der Rücktritt des St. Pöltener Bischofs Kurt Krenn in den nächsten Tagen erfolgt. Er sei überzeugt, "dass die Annahme des Rücktritts bevor steht", meinte Küberl am Sonntag in der ORF-Pressestunde. Dass sich der Vatikan mit einer Entscheidung noch Zeit lässt, sind für Küberl "vatikanische Rituale, die selbst für unsereiner nicht klar durchschaubar sind". Insgesamt ist Küberl mit der Vorgehensweise der Kirche in der Causa St. Pölten zufrieden.

"Heilfroh", dass alles öffentlich gemacht worden sei

In St. Pölten seien zwei "entsetzliche" Dinge geschehen, meinte Küberl. Einerseits das Ausnützen eines Abhängigkeitsverhältnisses zwischen dem Regens des St. Pöltener Priesterseminars und den Alumnen. "Das ist, denke ich, aufgedeckt worden." Das zweite sei das Herunterladen kinderpornografischer Bilder durch einen Alumnen gewesen. Er sei "heilfroh, dass das Ganze öffentlich geworden ist" und in einer transparenten Form geregelt worden sei, betonte Küberl.

"Wechselbad"

Für einen Katholiken seien die vergangenen Wochen und Monate ein "Wechselbad" gewesen, gestand Küberl ein. Die katholische Kirche habe aber mit dem mitteleuropäischen Katholikentag, mit den "sensiblen und präzisen" Aussagen von Kardinal Christoph Schönborn bei den Trauerfeiern für den verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil und mit Schönborns klaren Stellungnahmen zur Causa St. Pölten "in beachtlicher Form Tritt gefasst".

Küberl sprach in diesem Zusammenhang von einem "Reinigungsprozess". "Ich denke, dass damit auch ein guter Neubeginn möglich ist. Ich denke, dass da die Chancen sehr gut sind." Auf die Frage, ob angesichts der Tatsache, dass Krenn ein Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen nahe gelegt wurde, ein solcher auch für den gesundheitlich angeschlagenen Papst in Frage komme, wollte der Caritas-Präsident keine Beurteilung vornehmen: "Das kann ein kleiner katholischer Sozialhelfer in Österreich nicht für die Weltkirche klären."

"Spekulationen überlasse ich anderen"

Nicht kommentieren wollte Küberl, wer Krenn nachfolgen könnte: "Dieses Spekulationsfeld überlasse ich anderen." Auch die Anschuldigungen gegen Kaplan August Paterno könne er nicht beurteilen, weil er die Opfer nicht kenne. Es sei aber wichtig, die Opfer ernst zu nehmen. So lange das Verfahren laufe, "ist, denke ich, von anderen nichts dazu zu sagen". Priorität müsse jedenfalls der Schutz der Opfer haben, betont Küberl.

Grundsätzlich glaubt Küberl an die Reformbereitschaft der katholischen Kirche. Er glaube nicht, "dass da nicht schon der Abend eingetreten ist, sondern dass das Licht des Tages bereits kommt". In der Frauenfrage wünscht sich der Caritas-Präsident aber offenbar mehr Tempo: "Es mir wäre recht, wenn in der Frauenfrage die Kirche vom 19. ins 21. Jahrhundert käme." (APA)

Share if you care.