Proteste nach Amtsenthebung von Gouverneur Khan

12. September 2004, 12:32
posten

Karzai will vor Wahl Einfluss im Land ausbauen

Herat - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat den einflussreichen Gouverneur von Herat, Ismail Khan, seines Amtes enthoben und damit gewaltsame Proteste in der westlichen Provinz ausgelöst. In einer weiteren Maßnahme, den Einfluss der Kabuler Zentralregierung im Land vor der Präsidentschaftswahl im Oktober auszuweiten, ersetzte Karzai Khan am Samstag durch den regierungsfreundlichen bisherigen Botschafter in der Ukraine, Sayed Mohammed Khair Khuwa, wie sein Büro mitteilte.

Ministerposten abgelehnt

Khan wurde der vergleichsweise unbedeutende Posten des Ministers für Bergbau und Industrie angeboten. Der einflussreiche Warlord lehnte dieses Amt umgehend ab: Er könne seinem Volk auf einem solchen Posten nicht dienen, sagte Khan der Nachrichtenagentur AFP.

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern Khans und der afghanischen Armee wurden in der Stadt Herat mindestens drei Menschen verletzt, wie der Polizeichef der gleichnamigen Provinz, Siauldin Mahmudi, mitteilte. Die Soldaten hätten das Feuer auf die Demonstranten eröffnet. Mehrere hundert Menschen versammelten sich in der westafghanischen Stadt und riefen Parolen wie "Tod Karzai - Tod den Amerikanern". Westlich Beobachter rechneten damit, dass die Entlassung Khans zu neuen Unruhen in der Provinz führen könnte.

Konflikte

Ismail Khan hatte die wohlhabende westliche Provinz Herat seit dem Fall der Taliban-Herrschaft 2001 regiert. Wegen seiner Weigerung, Steuern in Millionen-Dollar-Höhe an die Zentralregierung abzuführen, lag er schon seit langem mit Karzai im Streit. Die Provinz Herat grenzt im Westen an den Iran und Turkmenistan und treibt einen Großteil der afghanischen Import- und Exportsteuern ein. (APA)

Share if you care.