"Goldener Löwe" für Mike Leigh

12. September 2004, 00:48
posten

Britischer Regisseur für Sozialdrama "Vera Drake" ausgezeichnet - Imelda Staunton und Javier Bardem erhalten Darstellerpreise

Venedig - Der britische Regisseur Mike Leigh hat beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Der 61-Jährige erhielt den Preis für seinen Streifen "Vera Drake" über das Arbeiter- und Arme-Leute-Milieu im London der 50er Jahre. Sophia Loren überreichte die Auszeichnung bei einer Gala am Samstagabend im La-Fenice-Theater in Venedig.

Imelda Staunton beste Darstellerin

Zugleich erhielt die britische Schauspielerin Imelda Staunton (48) für ihre Hauptrolle in "Vera Drake" den Preis als beste weibliche Darstellerin. Sie spielt darin eine Frau, die als "Engelmacherin" jungen Mädchen bei Abtreibungen hilft. Der spanische Schauspieler Javier Bardem (35) wurde für seine Rolle in "Mar adentro" als bester männlicher Darsteller ausgezeichnet. Er spielt einen Querschnittsgelähmten, der Hilfe sucht, um aus dem Leben zu scheiden.

Die Biennale am Lido ist neben Berlin und Cannes das weltweit bedeutendste Filmfestival. An dem Wettbewerb nahmen insgesamt 22 Filme teil.

Wim Wender ging leer aus

Wim Wenders und sein Beitrag "Land of Plenty" gingen leer aus. Sein von Kritikern durchweg sehr positiv aufgenommener Film handelt vom politischen und sozialen Klima in den USA seit den Terror-Anschlägen vom 11. September. Wenders hatte als bisher letzter Deutscher am Lido 1982 einen Goldenen Löwen gewonnen, damals für "Der Stand der Dinge". Auch der Film "Birth" von Jonathan Glazer mit Hollywood-Star Nicole Kidman bekam keinen Preis.

Einen Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhielt der 80-jährige US-Regisseur Stanley Donen, zu dessen zahlreichen Werken "Indiskret" von 1958 mit Ingrid Bergman und Cary Grant und "Charade" aus dem Jahr 1963 mit Audrey Hepburn und Cary Grant gehören.

Traditioneller Streifen

Die Entscheidung der Jury unter der Leitung des britischen Regisseurs John Boorman war eher überraschend: "Vera Drake" ist ein künstlerisch traditionell gemachter Streifen. Den großen Preis der Jury bekam der Spanier Alejandro Amenábar für "Mar adentro". Der Spezialpreis für die beste Regie ging an den Koreaner Kim-Ku-Duk für seine verschlungene Liebesgeschichte "Binjip". Überraschender Weise gab es auch keine Auszeichnung für die drei italienischen Wettbewerbsbeiträge.

Das Festival wurde vom neuen Direktor Marco Müller geleitet. Wie bereits in den Vorjahren konnte aber auch diesmal keiner der Wettbewerbsfilme die Kritiker durchgehend begeistern. Daher gab es auch keinen heißen Favoriten vor der Preisvergabe. Trotz vereinzelter Kritik an organisatorischen Mängeln kann Müller zufrieden sein: Ihm gelang es diesmal vor allem, viele Hollywood-Stars wie Steven Spielberg, Denzel Washington und Meryl Streep an den Lido zu locken, deren Filme aber außer Konkurrenz liefen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Brite Mike Leigh wurde für "Vera Drake" mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Einen Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhielt der US-Regisseur Stanley Donen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der 80-Jährige legte ein Tänzchen aufs Parkett. Sophia Loren überreichte die "Löwen".

Share if you care.