Proteste trauernder Frauen

13. September 2004, 17:34
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Putin entlässt Innenminister und FSB-Chef von Nordossetien - Anführer der Geiselnehmer laut Behörden tot - Maschadow weist Verantwortung zurück

Wladikawkas - Wütende und trauernde Angehörige von Opfern des blutigen Geiseldramas von Beslan haben vergeblich ein Gespräch mit Nordossetiens Präsident Alexander Dsasochow verlangt. Unterdessen hat der russische Präsident Wladimir Putin den nordossetischen Innenminister sowie den regionalen Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB entlassen. Russische Nachrichtenagenturen zitierten am Samstag den Pressedienst des Kreml, demzufolge Innenminister Kasbek Dsantijew und FSB-Chef Waleri Andrejew wegen des katastrophanlen Ende der Geiselnahme ihre Posten räumen mussten.

Russland kündigte unterdessen an, bei der Suche nach den tschetschenischen Rebellenführern Schamil Bassajew und Aslan Maschadow auch mit Mitgliedern illegaler Gruppen zusammenarbeiten zu wollen. Berichten zufolge wurde der mutmaßliche Anführer der Kidnapper unter den Leichen der getöteten Geiselnehmer identifiziert.

Protest von trauernden Frauen

Ein Dutzend in schwarz gekleidete Frauen versammelten sich am Samstag unter massivem Polizeiaufgebot vor dem Amtssitz des in die Kritik geratenen Präsidenten in Wladikawkas. Die drei Stunden lang demonstrierenden Frauen forderten eine Erklärung dazu, wie ihre Angehörigen ums Leben gekommen seien. Eher würden sie nicht gehen, betonten sie.

"Wir warten am Montag in Beslan auf ihn"

Verschiedene Minister vertrösteten die Trauernden auf ein späteres Treffen, weil Dsasochow derzeit in Moskau sei. "Wir warten am Montag in Beslan auf ihn", kündigte eine Frau an.

Nach dem blutigen Ende des Geiseldramas mit offiziell 339 Toten hatte es bereits Protestaktionen gegeben; erstmals verlangten jedoch Angehörige ein Treffen mit dem Präsidenten. Dsasochow steht in der Kritik, weil er während des Geiseldramas nicht auf die Forderungen der Kidnapper eingegangen sein soll, persönlich mit ihnen zu verhandeln.

Kopf des Kommandos tot

Der mutmaßliche Chef des Geiselnehmer-Kommandos wurde unterdessen nach Behördenangaben unter den 31 getöteten Kidnappern identifiziert. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte den stellvertretenden Generalstaatsanwalt Wladimir Koslenikow, dem zufolge der einzige überlebende Geiselnehmer seinen Anführer identifizierte. Dennoch gebe es weiter Zweifel und die Ermittler schlössen nicht aus, dass der Kopf des Kommandos doch entkommen konnte. Als Chef der Geiselnehmer gilt der 32-jährige Ruslan Chutschbarow alias "Oberst", der ein Vertrauter des tschetschenischen Rebellenführers Schamil Bassajew sein soll.

Kopfgeld auch für Rebellen

Mit Blick auf die Suche nach Bassajew und Maschadow sagte ein Sprecher des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB der Nachrichtenagentur Interfax, auch Mitglieder bewaffneter Untergrundgruppen hätten Anrecht auf das auf die beiden ausgesetzte Kopfgeld von umgerechnet rund acht Millionen Euro. Moskau sieht Bassajew und Maschadow als Drahtzieher der Geiselnahme in einer Schule der nordosssetischen Kleinstadt Beslan.

Bestritt Beteiligung

Maschadows in London lebender Sprecher Ahmed Sakajew bestritt in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" jedoch eine Beteiligung des früheren tschetschenischen Präsidenten. Maschadow habe sich im Gegenteil sogar zu Vermittlungsbemühungen bereit erklärt. Nach dem Überfall auf die Schule habe er mehrfach telefonischen Kontakt mit namhaften russischen Politikern gehabt. (APA/Reuters)

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    Der nordossetische Premier Alan Boradzov (links) stellte sich den Fragen der Frauen. Präsident Alexander Dsasochow jedoch war nicht zu sprechen, er weilte in Moskau.

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