Politiker-Image laut Umfragen "drastisch verschlechtert"

13. September 2004, 18:34
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Keine großen Fähigkeiten, viel Geld, wenig Verantwortung

Linz - Das Bild der Österreicher von ihren Politikern hat sich nach einem am Samstag veröffentlichten Vergleich von Umfragen des Linzer Meinungsforschungsinstitutes IMAS in den vergangenen drei Jahrzehnten "drastisch verschlechtert". Demnach ist jetzt eine Mehrheit davon überzeugt, dass ein Nationalratsabgeordneter für sein Amt keine großen Fähigkeiten mitbringen muss, aber viel Geld verdient und wenig Verantwortung trägt.

IMAS fragte 1975, 1997, 2002 und zuletzt im Ende August/Anfang September 2004 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ausgewählte Personen danach, wie sie sich das Leben eines Nationalratsabgeordneten vorstellen. Aktuell erklärten 34 Prozent, es seien für das Mandat große Fähigkeiten notwendig, 41 Prozent glaubten nicht daran, 25 Prozent waren unentschieden. 1995 glaubten noch 55 Prozent, dass eine hohe Qualifikation erforderlich sei, um ins Parlament zu kommen, nur 28 Prozent widersprachen, 17 Prozent waren unentschieden.

Ähnlich verändert haben sich auch die übrigen Einschätzungen. Derzeit sind 69 Prozent überzeugt, dass ein Parlamentarier gut verdient und keine finanziellen Sorgen hat. 59 Prozent sagen: Er ist viel unterwegs, 56 Prozent: Er braucht sich nach dem Ausscheiden aus der Politik keine finanziellen Sorgen machen. 55 Prozent: Er genießt viele Vorrechte, hat es überall ein wenig leichter. 45 Prozent: Er kann sich leicht ein zusätzliches Einkommen schaffen.

Erst nach diesen mutmaßlichen Vorteilen folgen einige Nennungen, die auf ein Schattendasein des Politikerdaseins hindeuten: 44 Prozent glauben, ein Nationalratsabgeordneter habe wenig Privatleben und müsse sich ständig um seine politischen Aufgaben kümmern. 42 Prozent meinen, er müsse sich gegen viele Rivalen und Neider in den eigenen Reihen behaupten. 41 Prozent vermuten, er stoße bei der Bevölkerung häufig auf Misstrauen. Mit 40 Prozent ähnlich viele glauben, ein Parlamentarier müsse ständig fürchten, das nächste Mal nicht gewählt zu werden.

Nur 28 Prozent sind der Auffassung, ein Abgeordneter trage große Verantwortung, lediglich 23 Prozent haben den Eindruck, dass er von der übrigen Bevölkerung geachtet wird. 17 Prozent meinen, er müsse persönliche Opfer bringen und auf viele Annehmlichkeiten verzichten. 15 Prozent gestehen ihren Vertretern im Hohen Haus zu, dass sie großen Einfluss auf die Entwicklung Österreichs haben. Es passt auch nicht in das Erwartungsschema der Österreicher, dass ein Abgeordneter damit rechnen muss, nach einem politischen Misserfolg mit leeren Händen dazustehen, nur 12 Prozent glauben daran. (APA)

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