Rumsfeld relativiert Misshandlungen

13. September 2004, 09:56
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"Ist es so widerlich wie jemandem den Kopf abzuschlagen und es im Fernsehen zu zeigen?" - Hatte härtere Verhörmethoden genehmigt

Washington - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat die Misshandlungen irakischer Gefangener durch amerikanische Soldaten relativiert. "Ist es so widerlich wie jemandem den Kopf abzuschlagen und es im Fernsehen zu zeigen?" fragte er am Freitag vor Washingtoner Journalisten und gab selbst die Antwort: "Nein."

Rumsfeld räumte im Nationalen Presseclub erneut ein, dass er härtere Verhörmethoden für Verdächtige genehmigt habe, die im weltweiten Kampf gegen Terror festgenommen worden seien. Diese Regeln sollten aber nur für jene gelten, die auf dem US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba festgehalten werden und hätten nichts mit dem Irak zu tun, wo der Gefängnisskandal zuerst bekannt wurde.

Bei zwei Gefangenen

Die genehmigten Verfahren seien keine Folter gewesen und nur zur Anwendung bei zwei Gefangenen genehmigt worden. Er habe die Methoden wieder außer Kraft gesetzt, nachdem Offiziere sie in Frage gestellt hätten und Juristen beauftragt, sie zu überprüfen.

Nach Ermittlungen seines Ministeriums sind bisher rund 300 Fälle von Tötung, Vergewaltigung, Prügel und anderen Misshandlungen in Militärgefängnissen im Irak, Afghanistan und Guantanamo bekannt geworden. Rumsfeld betonte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

Kritik

Kritiker sagen seit Monaten, dass die US-Regierung letztendlich für die Misshandlungen verantwortlich sei. Sie habe Anfang 2002 Verwirrung gestiftet, als sie den Terrorverdächtigen in Guantanamo den Schutz durch die Genfer Konventionen abgesprochen und versucht habe, die Vorschriften für Inhaftierung, Verhöre und Prozesse nach ihren Vorstellungen von einem effektiven Kampf gegen Terrorismus umzugestalten. (APA)

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    US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte härtere Verhörsmethoden genehmigt - allerdings seinen Angaben zufolge lediglich für zwei Männer auf Guantanamo.

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