Neuer Anlauf zum Verbot der Fuchsjagd

10. September 2004, 22:25
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Tony Blair will mit Sonderregelung Gesetz ohne Oberhaus beschließen - die Lobby der Fuchsjäger, plant den großen Aufruhr

Mit einem Hornstoß signalisiert der Jagdmeister das "Tally ho!", sobald die Hunde einen Fuchs aufgespürt haben. "Tally ho!" wird es bald auch dem britischen Premierminister Tony Blair auf dem Weg ins Parlament entgegenschallen. Die Countryside Alliance, die Lobby der Fuchsjäger, plant den großen Aufruhr.

Am kommenden Mittwoch, wenn drinnen das Unterhaus über ein Verbot der Hatz abstimmt, will sie draußen für Heidenlärm sorgen. Die Jäger bereiten sich auf ihre neue Saison vor. Auf ein Freizeitvergnügen, das sie für ebenso urbritisch halten wie Unze, Pint oder Pfund Sterling.

Fünfmal verschoben

Als Blair 1997 in die Downing Street einzog, stand das Nein zum Füchsejagen auf seiner Prioritätenliste ganz weit oben. Doch seitdem verkam es zur Farce. Fünfmal hat das House of Commons für ein Verbot gestimmt, fünfmal hat sich die zweite Kammer, das House of Lords, quer gelegt, fünfmal wurde die Entscheidung vertagt.

Jetzt mischt sich selbst Sir Paul McCartney, zum Ritter geschlagener früherer Beatle, in den Diskurs ein: Er baue darauf, dass Blair endlich Nägel mit Köpfen mache, schrieb er dem Premier in einem offenen Brief.

Raffinierter Schachzug

Diesmal aber will die gewählte Kammer die störrischen Lords mit der Keule "Parliament Act" in die Knie zwingen. Mit dieser Sonderregelung, die in den vergangenen 50 Jahren nur dreimal angewendet wurde, können die Commons ein Gesetz auch ohne den Segen der Lords durchsetzen. Allerdings möchte Blair auch dann noch zwei Jahre warten, ehe das Verbot in Kraft tritt.

Ein raffinierter Schachzug. Denn einerseits will er vermeiden, dass die Lobby der Jäger noch während des anstehenden Wahlkampfs zum letzten Gefecht ruft - deshalb der Aufschub. Andererseits mag er sich von McCartney und Co nicht länger vorwerfen lassen, ein ewiger Zauderer zu sein. Schließlich hegt er die vage Hoffnung, mithilfe des emotionalen Themas die über den Irakkrieg zerstrittene Labour-Partei wieder zu einen.

Jäger - eine Minderheit

Sosehr sich New Labour in der Mitte positioniert, dem Zank haftet noch etwas von altem Klassenkampf an: Nach einem groben Raster sind es die Earls und Viscounts der Oberschicht, die dem flinken Wild nachsetzen - die Unaussprechlichen auf der Fährte des Ungenießbaren, wie der Dichter Oscar Wilde höhnte.

Seit den 1660er-Jahren ist die Jagd nach dem Fuchs in den Annalen belegt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war sie tatsächlich das Privileg geladener Gäste. Heute darf jeder teilnehmen, sofern er einen Obolus entrichtet - je nach Wochentag 55 bis 70 Euro.

Simon Hart, der Chef der Countryside Alliance, führt neben den traditionellen Argumenten auch schon Begriffe wie Menschenrechte und Toleranz ins Feld. Für ihn sind die rot berockten Jäger eine Minderheit, die zu Unrecht diskriminiert werden. (Frank Herrmann aus London, DER STANDARD Printausgabe 11/12.9.2004)

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    Als Blair 1997 in die Downing Street einzog, stand das Nein zum Füchsejagen auf seiner Prioritätenliste ganz weit oben. Doch seitdem verkam es zur Farce: Fünfmal wurde die Entscheidung vertagt

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