Unbequemer Brückenbauer wird Professor

12. September 2004, 20:11
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Republik und Wissenschaft ehren den jenischen Dichter und Forscher Romed Mungenast

Innsbruck - Mit zehn Geschwistern ist Romed Mungenast in einer gerade einmal 18 Quadratmeter großen Hütte aufgewachsen. Diese Hütte in den Innauen von Zams im Tirol Oberland stand nicht hinter, sondern vor dem Hochwasserschutzdamm. Mungenast stammt aus einer jenischen Familie, einer Volksgruppe von Fahrenden, über deren Tiroler Zweig vermutet wird, dass es sich um Menschen handelt, die während ökonomischer Krisen ihre Herkunftsbauernhöfe verlassen mussten.

Gründer des Jenischen Kulturvereins

1953 geboren, acht Jahre Volksschule, Hilfsarbeiter, Bundesheer, 31 Jahre lang Verschieber bei den ÖBB, wegen einer schweren Erkrankung in Frühpension. So lässt sich eine Version einer Kurzbiografie von Romed Mungenast formulieren. Seit einigen Tagen darf Mungenast nun den "Berufstitel Professor" tragen - für seine Verdienste als Forscher, Schriftsteller und Gründer des Jenischen Kulturvereins. Das Dekret hat Anfang Juni noch Bundespräsident Thomas Klestil unterzeichnet.

Mungenast ist einer der wenigen, der noch seine jenische Muttersprache beherrscht. Seine Arbeit hat maßgeblich beigetragen, dass das bis in die 80er-Jahre auch in der Wissenschaft von faschistoiden Stereotypen über die "Karrner" geprägte Bild sich ändern musste. 2001 hat Mungenast eine höchst erfolgreiche Ausstellung über Geschichte und Kultur der Jenischen in Landeck organisiert. (hs, DER STANDARD Printausgabe 11/12.9.2004)

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