"Will keine amerikanischen Verhältnisse"

17. September 2004, 12:10
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Porr-Chef Horst Pöchhacker beurteilt das österreichische Schulsystem mit "sehr gut" und plädiert im Gespräch mit Elisabeth Steiner für eine solide Allgemeinbildung, Latein inklusive

STANDARD: Wie beurteilen Sie aus Sicht der Wirtschaft die österreichische Schule?

Pöchhacker: Wir haben noch ein sehr gutes Niveau. Aber es gibt Tendenzen, dass sich die Grundausbildung verflacht. Den jetzigen Standard müssen wir unbedingt erhalten. Ich habe in Amerika gelebt und gesehen, dass unser System viel besser ist.

STANDARD: Was meinen Sie damit konkret?

 Pöchhacker: Wenn ich jetzt die Bauwirtschaft hernehme: Wir brauchen fachlich gut ausgebildete Mitarbeiter, das ist klar. Dafür gibt es eben die vertiefte Ausbildung in den berufsbildenden Schulen, in den Fachhochschulen oder an den Universitäten. Aber wir brauchen auch das vernetzte Denken. Die Basis dafür ist eine umfassende Grundausbildung. Ich will keine amerikanischen Verhältnisse in unseren Schulen.

STANDARD: Warum ist aus Ihrer Sicht gerade die Grundausbildung für die Wirtschaft so wichtig?

Pöchhacker: Wir brauchen beides, Spezialisten und Universalisten. Was nützt uns ein hervorragend ausgebildeter Fachmann, wenn er nicht mit Kunden umgehen kann. Die eigentliche Spezialisierung erfährt er ohnehin bei uns. Vor allem für Manager ist vernetztes Denken wichtig. Deshalb dürfen die Grundlagenfächer, in denen Bildung und Kulturtechniken vermittelt werden, nicht als nebensächlich betrachtet werden. Daher sollte auch beispielsweise Latein unbedingt erhalten bleiben. Denn es fördert das logische Denken.

STANDARD: Ist die Schule in Österreich zu verpolitisiert?

Pöchhacker: Bei Lehrern und Direktoren wird sicher parteipolitisch besetzt. Aber es ist uns nie untergekommen, dass ein Absolvent gesagt hat ich komme aus einer roten, schwarzen oder blauen Schule. Das wäre für uns auch nicht entscheidend. Wichtig ist, was sie können und wie sie auftreten.

STANDARD: Was wäre an der österreichischen Schule verbesserungswürdig?

Pöchhacker: Ich kann jetzt nur für den technischen Bereich sprechen. Da würde ich unserem derzeitigen dualistischen Schulsystem durchaus ein "sehr gut" geben. Aber wie gesagt, bei den Grundlagenfächern darf es zu keiner Abflachung kommen.

ZUR PERSON: Horst Pöchhacker (65) ist seit 1962 bei der Porr AG, seit 1982 ist er Generaldirektor des Baukonzerns
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