Genesis 11/9

21. September 2004, 19:53
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9/11 im Lichte des Buches Mose - Kommentar der anderen von Bernd Schilcher

Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Amerikaner eine merkwürdige Datumsschreibweise haben und die Europäer keinen Bezug mehr zu religiösen Texten. 9/11 heißt diesseits des Atlantiks bekanntlich 11. 9. Aber wer kennt in unseren Breiten noch das erste Buch Mose (Genesis) Kapitel 11 Vers 9? "Daher heißt ihr Name Babel (,Wirrwarr‘), dass der Herr daselbst verwirrt hatte aller Länder Sprache und sie zerstreut von dort in alle Länder." Ich habe wenig Zweifel, dass die Muslime der Al- Kaida diese Stelle kennen.

Von der Zerstörung des Turmes von Babel ist in der Bibel freilich noch nicht die Rede. Aber schon das palästinische Midrasch lässt den Turm zusammenstürzen, wohl unter dem zornigen Donner Jawes. Bei Flavius Josephus, dem jüdischen Historiker um 100 nach Christus, sind es bereits gewaltige Stürme, die den? Zikkurat als Symbol der menschlichen Überheblichkeit zum Einsturz bringen. Und auf den über 600 bildlichen Darstellungen in der Folgezeit geht es immer wieder auch um die Blitze Gottes, die er, manchmal assistiert von Engeln, auf den historischen Etemenanki, das Sinnbild des menschlichen Hochmuts, geschleudert hat.

Blitzen nicht große Flugzeuge in der Vormittagssonne, wenn sie von den Gehilfen Allahs in die beiden Türme der westlichen Hybris im Süden New Yorks gelenkt werden? Damit der dekadente Westen an den Zorn Gottes erinnert wird.

In der 85. Sure des Korans "Al-Burudsch" (die Türme) heißt es: "Beim Himmel mit den Türmen: Vernichtet sind die Menschen des Grabens – 2. Spalte des Feuers voll von Brennstoff. Sie bezeugten, was sie den Gläubigen antaten. Und sie hassten sie aus keinem anderen Grund als weil sie an Allah glaubten."

Die Sure 89 "Al-Fadsch" (Morgendämmerung) ergänzt: "Hast Du nicht gesehen, wie der Herr mit den Àd verfuhr, dem Volk von Iram, Besitzer von hohen Türmen, dergleichen nicht erschaffen ward in anderen Städten. Die frevelten in den Städten und viel Verderbnis wurde gestiftet. Darum ließ der Herr die Peitsche der Strafe auf sie fallen."

Menetekel?

Ähnlich lässt sich wohl auch der 11. 3. in Madrid deuten. In Genesis 11,3 beginnen die Babylonier den Turmbau mit dem Brennen der Ziegel. Erneut, kann man aus der Geschichte sagen: Denn nach seiner historischen Zerstörung durch Sanherip 689 vor Christus wurde er von dessen Sohn Asarhaddon wieder aufgebaut.

Eine Generation danach geschah es, dass Assurbanibals Bruder, Schamasch-Schumukin, beide Enkel des Sanherid, kurzzeitig als König von Babylon eingesetzt wurde. Doch ging die Herrschaft des "treuelosen Bruders" sehr bald in den Flammen eines assyrischen Angriffs unter. So wie auch die "Herrschaft" des "Waffenbruders" Aznar in diesen Tagen.

Wenn unsere Vermutung richtig ist, kann nur noch in diesem Monat ein großer Terroranschlag kommen. Genesis 11 beginnt dann erst wieder im Jänner 2005. (DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.9.2004)

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Bernd Schilcher, einstiger Vordenker der ÖVP Steiermark, war bis 1996 Präsident des steirischen Landesschulrats und lehrt heute Zivilrecht an der Karl-Franzens-Universität in Graz.
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