In der Telekom verstärkt sich der Zug zur ÖBB

19. September 2004, 17:44
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Asfinag-Chef Walter Hecke hat einen prominenten Mitbewerber um den ÖBB-Vorstandssessel: Telekom-Festnetzvorstand Rudolf Fischer

Wien - Rudolf Fischer sei bereit, in den ÖBB-Führerstand zu wechseln, heißt es in höchsten Bahnkreisen. Hintergrund für einen möglichen Wechsel vom ÖBB-Aufsichtsrat in den Vorstand sei wohl die Ungewissheit darüber, ob die Ende April 2005 auslaufenden Vorstandsverträge des Telekom-Managements verlängert werden oder nicht.

Es sei offenbar doch nicht mehr so sicher, dass Fischers Vertrag in der Telekom Austria (TA) automatisch verlängert werde, wie TA-Hauptaktionär ÖIAG signalisiert habe. Fischer versucht sich offenbar abzusichern, meint ein TA-Aufsichtsratsmitglied im STANDARD-Gespräch.

Ob Fischer das ÖBB-Telefonnetz in seiner neuen Funktion auch an die TA verkaufen oder zumindest eine TA-Mehrheitsbeteiligung anstrengen würde, wie er im ÖBB-Aufsichtsrat vorgeschlagen hat, bleibt abzuwarten.

Weiterer Wechsel möglich

Der 1998 als TA-Technikvorstand engagierte ehemalige Alcatel-Manager ist übrigens nicht der Einzige, der einen Zug zur ÖBB verspürt. Auch TA-Personalchef Franz Nigl, jahrelang für den reibungslosen Abbau Tausender Fernmeldebeamter zuständig, kann sich ÖBB-Kreisen zufolge ebenfalls einen Gleiswechsel vorstellen.

Die Entscheidung soll der um Niki Lauda dezimierte ÖBB-Aufsichtsrat am 23. September fällen. Das Datum ist für Fischer insofern günstig, als die ÖIAG bereits am 17. September eine Vorentscheidung über die weitere Vorgangsweise in Sachen TA-Vorstand treffen wird. Anfang Oktober setzt sich dann der TA-Aufsichtsrat außertourlich zusammen, um über die Vorstandsfrage zu beraten. Tenor bei den TA-Kapitalvertretern und im Finanzministerium: Das TA-Management unter Heinz Sundt habe große Verdienste bei der Sanierung des einst hoch verschuldeten Konzerns erworben, nach dem Scheitern des Swisscom-Deals brauche es jetzt aber eine echte Offensive, nicht nur eine Verwaltung.

Vorm Walde als Fragezeichen

Welchen Posten Fischer tatsächlich bekommt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob es doch noch gelingt, ÖBB-General Rüdiger vorm Walde vom Holding-Vorstand ganz in den Speisewagen der ÖBB-Personenverkehr-AG abzuschieben. Die Entscheidung, "VW" zusätzlich zur Holding auch in den Vorstand der ÖBB-Personenverkehr-AG zu berufen, sei Ende August mit nur fünf von zehn Kapitalvertreterstimmen äußerst knapp ausgefallen. Sein Kollege als oberster Fahrdienstleiter, Stefan Wehinger, dagegen wurde einstimmig gewählt.

Hilft gutes Zureden nicht, meint ein ÖBB-Rat, sei auch vorstellbar, vorm Walde für die Restlaufzeit bis Ende Juli 2006 freizustellen. Dann wäre für Hecke und Fischer Platz in der Holding, und der Vorstand müsste nicht von drei auf zwei verkleinert werden. Außerdem sei auch in der Güterverkehr-AG noch ein Posten offen, wenngleich es dort einen Finanzer brauche. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.9.2004)

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