Ära des streitbaren Bischofs vor dem Ende

29. September 2004, 22:23
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Konflikte in- und außerhalb der Diözese

St. Pölten - Nur wenige Tage vor dem 13. Jahrestag seiner Tätigkeit in St. Pölten steht die Ära von Bischof Kurt Krenn (68) offenbar kurz vor dem Ende. Der Vatikan hat ihm den Rücktritt nahegelegt, aus "gesundheitlichen Gründen", wie es heißt. Krenns gesamte Amtszeit war überschattet von heftigen Kontroversen um die Person, den Stil und viele Aussagen des Bischofs. Krenn war im März 1987 von Papst Johannes Paul II., dem er stets treu ergeben war, zum Wiener Weihbischof ernannt worden. Am 15. September 1991 hat er von Franz Zak die Leitung der Diözese St. Pölten übernommen.

Massive Ablehnung bei den Äbten der niederösterreichischen Stifte

Für Krenn haben sich in der 13-jährigen Tätigkeit in St. Pölten mehrere Fronten aufgetan. Auf massive Ablehnung war er etwa bei den Äbten der niederösterreichischen Stifte gestoßen, die Äbte starteten eine Initiative zur Absetzung des Oberhirten. Eine schier unendliche Geschichte ist auch die Auseinandersetzung mit dem Paudorfer Pfarrer Udo Fischer. Krenn hatte den Pater 1998 als Pfarrer abgesetzt. Fischer, der dem Stift Göttweig angehört, blieb dennoch im Amt, weil er von seinem Abt Clemens Lashofer in der Funktion belassen wurde.

Affäre um Kinderpornos

Zuletzt hat Krenn dann die Affäre um Kinderpornos im St. Pöltener Priesterseminar zugesetzt. De facto ist er bereits seit 20. Juli mit der Einsetzung seines Feldkircher Amtsbruders Klaus Küng als Apostolischer Visitator von der Leitung der Diözese enthoben.

Fall Groer

Widerstand gegen und Konflikte mit Krenn sind aber weit über die Diözese St. Pölten hinausgegangen. Auslöser dafür war in erster Linie der Fall des früheren Wiener Erzbischofs Kardinal Hans Hermann Groer. Gegen Groer waren im Frühjahr 1995 Vorwürfe laut geworden, er habe in seiner früheren Tätigkeit als Erzieher Buben sexuell missbraucht. Diese Vorwürfe wurden nie wirklich aufgeklärt, haben aber zur Absetzung Groers geführt. Die Folge war die schwerste Krise der katholischen Kirche in Österreich nach 1945, auf das Kirchenvolks-Begehren reagierte die Amtskirche mit dem "Dialog für Österreich". Krenn lehnte Volksbegehren und Dialog ab, versagte aber im Gegensatz zu seinen Amtsbrüdern Groer niemals die Unterstützung.

Ad-limina-Besuch

1998 war die Kirchenkrise dann Thema bei einem Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe in Rom. Dort kam es zum offenen Konflikt: Krenn sagte - sehr zum Ärger des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn als Vorsitzender der Bischofskonferenz - er kenne den Bericht der Bischöfe nicht. Schönborn widersprach, Krenns Reaktion war heftig: "Mir genügt's, wenn die Lügner das Maul halten."

Der Konflikt um Krenn hat die Bischöfe in der Folge nicht mehr losgelassen. Im Zuge der Affäre um das Priesterseminar wurde Schönborn dann im Juli dieses Jahres deutlich und kritisierte auch den Vatikan: Die Bischofskonferenz und Nuntius Georg Zur hätten schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass in St. Pölten etwas "nicht richtig" laufe. "Und es ist traurig, dass erst jetzt reagiert wird." er sei enttäuscht, dass Rom so lange zugewartet habe.

Krenn selbst hat die Kritik an ihm stets zurück gewiesen. Streitbar zu sein gehöre für ihn zum "Wesen eines vernünftigen Menschen", sagte er einmal.

Papstbesuch in St. Pölten Höhepunkt der Amtszeit

Als positiver Höhepunkt seiner Amtszeit in St. Pölten kann wohl der Papstbesuch im Juni 1998 gelten. Johannes Paul II. zelebrierte damals einen Gottesdienst in Krenns Bischofsstadt.

Kurt Krenn wurde am 28. Juni 1936 in Rannariedl (OÖ) als zweites von sechs Kindern des Ehepaares Karl und Leopoldine Krenn geboren. Nach der Matura am Realgymnasium in Schlierbach trat Krenn 1954 in das Priesterseminar Linz ein und begann das Studium in Linz und Rom. In der "Ewigen Stadt" wurde er am 7. Oktober 1962 auch zum Priester geweiht, in einer Pfarre bei Rom startete er auch seine Tätigkeit als Seelsorger. Es folgten Studienaufenthalte in Tübingen und München und Lehrtätigkeit in Linz, St. Pölten und an der Universität Regensburg.

Am 3. März 1987 wurde Krenn von Papst Johannes Paul II. zum Auxiliarbischof der Erzdiözese Wien für die Bereiche Kunst, Kultur und Wissenschaft ernannt. Die Weihe erfolgte am 26. April des selben Jahres durch Kardinal Hans Hermann Groer. Am 11. Juli 1991 wurde Krenn zum 16. Diözesanbischof von St. Pölten seit 1785 ernannt, ein Amt, das er am 15. September 1991 antrat. (APA)

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