Mamas Minipension

21. September 2004, 19:53
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Wer Einkom­mens­un­ge­rech­tig­keiten ausblendet, lässt die Frauen den Preis für die Harmonisierung zahlen - Von Lisa Nimmervoll

Schön und gut, dass Kinderzeiten in Zukunft wirklich deutlich besser für die Pension bewertet werden als bisher. Mama soll’s als Oma ja doch etwas besser haben. Auch dass frau schon mit sieben Aktivjahren Anspruch auf eine Pension hat, ist fein. Dass es nur eine Minirente sein wird, ist die andere Sache. Aber relativ mini werden ja ohnehin alle Frauenpensionen im Vergleich zu jenen der Männer bleiben.

Daher mutet der stolze Hinweis der Regierung auf die paar Verbesserungen für Frauen etwas großspurig an. Die Statistik zeigt ein tristes Bild: Das Bruttojahreseinkommen von Pensionistinnen betrug im Jahr 2001 exakt 10.222 Euro, das sind nur 55 Prozent der jährlichen Männerpensionen (18.648 Euro).

Knalliges Stopp

Die Gründe dafür sind bekannt: Teilzeitarbeit, Kinderauszeiten, unterbrochene Erwerbsbiografien und damit verbundene Einkommensschwankungen sind typische Bestandteile von Frauenkarrieren. Nicht nur an Supermarktkassen. Es soll auch Frauen geben, die so maßlos sind und alles haben wollen: Ausbildung, Arbeit, nicht nur ein bisschen, sondern richtig, Kinder und, wenn geht, auch noch einen beschaulichen Ruhestand. Aber die Signale, die ihnen noch immer den Weg verstellen, zeigen alle ein knalliges Stopp!

Hallo? Ist da jemand?

Das eigentliche Problem der geringen Frauenpensionen wird quasi naturhaft oder gottgegeben als Fixgröße im Reformspiel angesehen. Die eigentliche Ursünde findet nämlich auf einer anderen, allerdings seit Jahren leeren Baustelle statt: Hallo? Ist da jemand, der sich noch an die Forderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" erinnert? Das mittlere Bruttojahreseinkommen von Angestellten wies laut Statistik Austria 2001 für Frauen 17.800 Euro aus, für Männer 32.700 Euro. Eine Arbeiterin hatte nur 10.000 Euro im Jahr, ihr männliches Pendant 21.100. Der Frauenanteil bei den Teilzeitbeschäftigten betrug 2003 bereits 86 Prozent. Zwei Drittel nannten Betreuungspflichten für Kinder als Grund für ihre Teilzeit.

Etwas Energie für die Frauengleichstellung

Natürlich kann eine Pensionsreform diese Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten nicht völlig ausgleichen. Ausblenden sollte sie sie aber auch nicht. Wer Frauen eine lebenslange Durchrechnung abverlangt, muss etwas mehr Energie für die Frauengleichstellung aufwenden. An zwei Polen hat sich die Regierung schon zu schaffen gemacht: Kindergeld für den Anfang des Frauenlebens und jetzt das Herumfuhrwerken bei den Pensionen. Dann wäre ja eigentlich Zeit, sich um das Dazwischen zu kümmern?! Anderenfalls zahlen die Frauen den Preis für die Harmonisierung. Und die ist auch so schon teuer genug. (DER STANDARD, Printausgabe 11./12.9.2004)

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    Hallo? Ist da jemand, der sich noch an die Forderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" erinnert?

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