WAZ-Mann bestätigt seinen Rückzug

15. Februar 2005, 16:22
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WAZ-Chef Erich Schumann verlässt alle "Arbeitsgremien" in "Krone", "Kurier" und Mediaprint

WAZ-Chef Erich Schumann verlässt alle "Arbeitsgremien" in "Krone", "Kurier" und Mediaprint. Schon Mittwoch wird er im Gesellschafterausschuss fehlen, wo es um Gegenmaßnahmen zum Gratisblatt "Heute" geht.

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Freitag kam aus Essen die offizielle Bestätigung für die STANDARD-Informationen: WAZ-Chef Erich Schumann gibt tatsächlich alle seine Funktionen bei Mediaprint, "Kurier" und "Krone" in Österreich ab. Bei Entscheidungen der Gesellschafter redet er naturgemäß weiter mit.

Der Manager und Gesellschafter des zweitgrößten deutschen Verlagskonzerns verlässt zum Beispiel den Gesellschafterausschuss der Mediaprint. Der Ausschuss ist zentrales operatives Entscheidungsorgan des Verlagsriesen von "Krone" und "Kurier". Die "Krone" gehört WAZ und Hans Dichand, der "Kurier" WAZ und Raiffeisen.

Ende Juli hatte Raiffeisen-Chef Christian Konrad den erbittert streitenden "Krone"-Gesellschaftern Schumann und Dichand geraten, beide sollten sich aus ihren Funktionen zurückziehen. Dichand ist Herausgeber und Hauptgeschäftsführer der "Krone" mit weit reichenden Vollmachten, die ihm die WAZ entziehen will. Ab Oktober berät ein Schiedsgericht diese Frage.

WAZ in Bewegung

"Ich wünsche mir nach wie vor eine einvernehmliche Lösung des Konflikts - lieber früher als später", sagte Konrad Freitag auf STANDARD-Anfrage: "Interessanterweise hat jetzt eine Seite Bewegung signalisiert." Ein Schritt in Richtung einvernehmliche Lösung? "Das wage ich nicht zu beurteilen." Wie wäre der Streit der "Krone"-Herren zu lösen? "Das müssen die beiden Herren entscheiden" - also Schumann und Dichand.

Dichand war Freitag weiterhin unerreichbar. In einer ersten Reaktion auf Konrads Vorstoß sagte er dem STANDARD Ende Juli: "Konrad kann seine Meinung sagen, aber er hat nichts zu sagen." Man könne jedoch "über alles reden", er wolle nicht als ältester Herausgeber "ins ,Guinness-Buch der Rekorde'".

Schon kommenden Mittwoch tagt der GAS abgekürzte Gesellschafterausschuss wieder. Schumann wird dort laut Insidern bereits fehlen: Bodo Hombach, WAZ-Geschäftsführer und Kronprinz Schumanns, nimmt dort neben seinem WAZ-Kollegen Lutz Glandt Platz.

Wichtiges Thema im GAS sind Gegenmaßnahmen zur neuen Wiener Gratiszeitung "Heute". Trotz aller Dementis halten sich Vermutungen (und Hinweise) hartnäckig, Dichand und Wohnbaustadtrat Werner Faymann hätten mit dem Blatt zu tun.

Die Gratiszeitung könnte "Krone" und "Kurier" härter treffen als der "U-Express", dessen Inseratenaufkommen die Mediaprint niedrig hielt. Die "Heute"-Macher haben auch schon laut über Vertrieb in Einkaufszentren und Bahnhöfen nachgedacht sowie über eine Hauszustellung. (Harald Fidler/Renate Graber/DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.9.2004)

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    Erich Schuman geht und Hans Dichand bleibt.

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