Situation in Wien "dramatisch schlecht"

20. September 2004, 16:40
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Arbeitsmarktservice hofft auf "annähernd gleiches Budget wie 2004" - Weiterer Zuwachs bei Arbeitslosen im nächsten Jahr erwartet

Wien – Entlassungen im öffentlichen Dienst und der Sachgüterindustrie, 13.000 Langzeitarbeitslose, immer mehr "Mc-Jobs" vor allem für geringfügig beschäftige Frauen und eine generell überdurchschnittlich hohe Anzahl von Menschen ohne Job im Haupterwerbsalter zwischen 25 und 45 Jahren. So düster präsentiert sich derzeit der Wiener Arbeitsmarkt.

In Zahlen ausgedrückt, bedeutet dies, dass der durchschnittliche Zahl an Arbeitslosen im ersten Halbjahr 2004 bei 85.749 Personen und damit um 7,8 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Und der Problemdruck wird im nächsten Jahr nicht geringer werden. Das Arbeitsmarktservice (AMS) glaubt vielmehr an eine Steigerung um 3000 bis 4000.

Budgetverhandlungen

Um gegen diese tristen Szenarien angehen zu können, erhofft sich Ingeborg Friehs vom AMS Wien aus den Budgetverhandlungen annähernd so viel Förderbudget herauszuholen wie heuer, also rund 200 Millionen Euro.

Mit Blick auf die knapp eine viertel Million Menschen, die im August österreichweit auf Jobsuche waren, zeigt man sich in der Arbeiterkammer auf STANDARD-Anfrage jedenfalls davon überzeugt, dass das Arbeitsmarktservice generell "unterdotiert" sei. Allein für eine notwendige Qualifikationsoffensive wären in Österreich zusätzliche 250 Mio. Euro notwendig, rechnen AK-Experten der Regierung vor.

Mehr Personal Im Wiener AMS will man den schlechten Job-Prognosen vor allem mit 50 AMS Wien-Mitarbeitern mehr und einem stärkeren Controlling entgegenwirken. Die Schwerpunkte sollen bei der Bekämpfung der Langzeit-, Frauen- und Jugendarbeitslosigkeit liegen. Außerdem sollen die laufenden Weiterbildungsmaßnahmen intensiviert werden, wobei, so Friehs, "der Trend zu einem modulartig aufgebauten Maßnahmen-Mix verfolgt wird." Gedacht ist dabei etwa an Bereiche wie Karriereplanung und Aktivierung, Qualifizierung, wo nötig sozialpädagogische Betreuung und Vermittlungsunterstützung. Außerdem: Die Bewerbungsdisziplin von Arbeitssuchenden wird künftig strenger unter die Lupe genommen.

Geplant ist auch den so genannte "zweite Arbeitsmarkt" mit seinen dringend benötigten aber teuren Transitarbeitsplätzen auszuweiten. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.9.2004)

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    Im Wiener AMS will man den schlechten Job-Prognosen vor allem mit 50 AMS Wien-Mitarbeitern mehr und einem stärkeren Controlling entgegenwirken.

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