Rom fällt Urteil über Krenn

14. September 2004, 11:00
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St. Pöltner Bischof soll rasch Rücktritt "aus gesundheitlichen Gründen" bekannt geben - Krenn will sich "erst einmal ausschlafen"

St. Pölten/Feldkirch/Rom - In der Causa um St. Pöltens Bischof Kurt Krenn dürfte die Entscheidung in Rom gefallen sein. Gerüchten zufolge soll Krenn schon in den nächsten Tagen von sich aus den Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt geben. Der Vatikan hat Krenn den Rücktritt nahegelegt, berichtete auch die Kathpress am Freitag.

Krenn in Rom

Der St. Pöltner Bischof war am Freitag von seinem dreitägigen Besuch aus Rom zurückgekehrt. Zu den Meldungen um seinen Rücktritt wollte er jedoch vorerst nichts sagen. Der sichtlich erschöpfte Bischof stellte sich nach seiner Ankunft aus Rom am Freitagabend am Flughafen Wien-Schwechat nur kurz den wartenden Journalisten. Er habe in Rom einige Gespräche geführt, über deren Inhalt wollte Krenn jedoch nichts sagen: "Ich werde mich jetzt einmal ausschlafen." Eine Entscheidung über seine Zukunft als Diözesanbischof werde "frühestens übermorgen fallen", so Krenn.

Krenns Sprecher, Michael Dinhobl, sagte dem STANDARD am Freitag, dass Krenn einer Einladung des Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, gefolgt sei. Am Donnerstag hätten Gespräche über "die Vorfälle und die Zukunft in der Diözese St. Pölten" stattgefunden, berichtet Dinhobl.

Küng über Reise Krenns nicht informiert

Dass der päpstliche Nuntius in Österreich, Georg Zur, ebenfalls an den Treffen beteiligt war, wollte Dinhobl nicht bestätigen. Die Gespräche in Rom seien, so der Krenn-Sprecher weiter, "nicht mit dem Ende der Visitation in St. Pölten gleichzusetzen." Visitator Klaus Küng dürfte über die Reise Krenns nicht informiert sein. Er selbst nutzte den Freitagvormittag für einen Bummel durch den Bludenzer Klostermarkt. Eine Depesche aus Rom mit Direktiven für die weitere Vorgangsweise war noch nicht eingelangt.

Berufung zum Administrator

Ob Küng tatsächlich Administrator in St. Pölten wird, wisse man nur in Rom, heißt es aus der Bischofsvilla. Bernhard Augustin, Sekretär des Bischofs, sagte zu den Gerüchten, Küng werde bis zur Ernennung eines Krenn-Nachfolgers Administrator in St. Pölten: "Uns ist das nicht bekannt."

"Im Rahmen der Lösungsmöglichkeiten"

Die Berufung zum Administrator liege "im Rahmen der Lösungsmöglichkeiten". Weitere Möglichkeiten wären, gleich einen neuen Bischof zu ernennen oder Krenn einen Koadjutor, einen Bischof mit Nachfolgrecht, zur Seite zu stellen. Ob Küng die Administration auch von Feldkirch aus wahrnehmen kann, "wird man sich überlegen, wenn es an der Zeit ist", so Augustin.

Klare zeitliche Vorgaben hat die Diözese dagegen für die Klärung der Missbrauchsvorwürfe gegen Kaplan August Paterno. Der Fernsehpfarrer soll, so die Vorwürfe, männliche Jugendliche sexuell ausgebeutet haben. Die Fälle reichen bis in die Achtzigerjahre zurück.

Paterno-Voruntersuchung: Ergebnisse "im Laufe der nächsten Woche"

"Im Laufe der nächsten Woche" sollen die Ergebnisse der kirchlichen Voruntersuchung vorliegen, wurde von der Diözese angekündigt. Deren Ombudsstelle prüfe zurzeit Protokolle von Gesprächen mit drei angeblich Betroffenen.

Ermittelt wird auch von der Kriminalabteilung. Die Sicherheitsdirektion Vorarlberg wird vermutlich ebenfalls nächste Woche über den Stand ihrer Untersuchung informieren. Sicherheitsdirektor Elmar Marent: "Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird es einen Zwischenbericht geben." (jub, mro, pm/DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.9.2004)

Laut Ö1-"Journal um Fünf" könnte die Entscheidung über die Zukunft des St. Pöltner Bischofs Kurt Krenn bereits am Samstag vom Vatikan bekannt gegeben werden.

Nachlese

"Showdown" für Kurt Krenn: Ablöse soll "kurz bevor stehen"

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