Palmers wird am Montag verkauft

11. September 2004, 15:22
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Zwei Beteiligungsfonds­gesellschaften übernehmen Traditionsbetrieb - Österreichisches Bankenkonsortium finanziert

Wien - 90 Jahre nach ihrer Gründung wird die traditionsreiche österreichische Textilfirma Palmers verkauft. Der Kaufvertrag soll Montagabend unterschrieben werden, wurde am späten Freitagnachmittag gegenüber der APA bestätigt. Käufer des größten Textil- und Dessous-Unternehmens Österreichs sind zwei Beteiligungsfondsgesellschaften: 80 Prozent der Aktien der Palmers Textil AG übernimmt die deutsche Quadriga Capital, die restlichen 20 Prozent der Wiener Mittelstandsfinancier Lead Equities. Unter neuer Eigentümerschaft soll die auf Sanierungskurs getrimmte Textilfirma Palmers "zu neuer Blüte" gebracht werden.

Totalübernahme

Es handelt sich um eine Totalübernahme. Die jetzigen - zum Teil heftig rivalisierenden - Familienaktionäre werden aussteigen. Details der Transaktion wollen die Beteiligten erst nennen, "wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist", verlautet aus mit der Transaktion vertrauten Kreisen heute Abend. Finanziert werde der Kauf durch ein österreichisches Bankenkonsortium.

In der Palmers Textil AG - mit rund 1.700 Mitarbeitern Kernstück des Palmers-Konzerns - ist das Wäschegeschäft der Gruppe vor allem mit den Traditionsmarken "Palmers" und "Gazelle" konzentriert.

"Das Investorenkonsortium verfolgt das Ziel, die Palmers Textil AG nicht nur als Ganzes zu erhalten, sondern zu stärken und für weiteres Wachstum auszurichten", teilten Lead Equities/Quadriga Capital am Freitagabend in einem gemeinsamen Kommunique mit den Alteigentümern mit. Darüber hinaus wurden keine offiziellen Angaben gemacht.

Banken als Gesellschafter

Zum Gesellschafterkreis der Lead Equities Mittelstandsfinanzierungs AG zählen unter anderem Investkredit, RZB, Hypo Alpe Adria Bank und Generali Versicherung. Quadriga Capital, eine große Fondsgesellschaft mit Sitz in Deutschland, hat in Österreich vor mehr als einem Jahr bereits die Austria Haustechnik (AHT) übernommen.

Zu Palmers gehören neben den gleichnamigen Markenfilialen auch die Marken Gazelle und p2. Im Wäschegeschäft wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr 161,5 Mio. Euro umgesetzt, um ein Prozent mehr als im Jahr davor. Das Ergebnis konnte wie berichtet von einem Jahresverlust von 3,4 Mio. Euro auf plus 5,5 Mio. Euro gedreht werden. Trotzdem wird Palmers in der Branche als Sanierungsfall gesehen, da vor allem im Wäschebereich junge Marken am Palmers-Marktanteil knabbern. Dies habe sich im ersten Halbjahr wieder belastend aufs Geschäft niedergeschlagen, heißt es zur APA.

Familienzwist

Um die Neuaufteilung der Geschäftssparten der Palmers-Gruppe war lang gerungen worden. Als vor mehr als eineinhalb Jahren der Streit innerhalb der Familie Palmers voll entbrannte, war der Anfang vom Ende der Unternehmer-Dynastie eingeläutet. Der damalige langjährige Palmers-Chef und Miteigentümer Rudolf Humer verabschiedete sich aus dem Vorstand und übernahm Gerngross. Die Familie "zerfiel" im Wesentlichen in drei gleich große Teile: Christian Michael Palmers, dessen Schwester Elisabeth Wilhelm sowie Michael Alexander und Hans Palmers mit Humer. In der Folge wurde die Schuhmanufaktur Reiter abgegeben. Don Gil wurde an Mariella Burani verkauft, die Wolford-Beteiligung innerhalb der Familie Palmers unterm Holdingdach neu geordnet. Wolford übernahm einige Palmers-Geschäfte. Das umfangreiche Immobilien-Vermögen von Palmers wurde in eine eigene Gesellschaft gelagert.

Palmers ist in Österreich Marktführer bei Damen- und Herrenwäsche. Begonnen hatte alles 1914, als Ludwig Palmers ein Damenkonfektionsgeschäft in Innsbruck eröffnete.

Direkt-Investment

Bei der jetzigen Übernahme der Textil AG durch die beiden Fondsgesellschaften handle es sich um ein nachhaltiges Direkt-Investment, die beiden Beteiligungsfirmen seien nicht "Platzhalter" für andere (strategische) Investoren, wurde gegenüber der APA ausdrücklich betont.

Der "Kurier" beziffert in seiner Samstagausgabe den voraussichtlichen Kaufpreis mit rund 50 Mio. Euro. Darüber gilt offiziell noch ein Stillschweigeabkommen. Palmers solle unter neuer Eigentümerschaft neu herausgeputzt werden und seine heutige Position auf dem heimischen Textilhandelsmarkt und auch im Ausland stärken.

Eine weitere Expansion in Europa ist geplant. Die gesamte Neuausrichtung werde einige Jahre in Anspruch nehmen, sagen Insider. Operativ erlebte der Konzern eine "schwierige Phase". Insofern wäre auch ein Börsegang, bei Equity-Fonds ein durchaus praktizierter "Exit", wohl "meilenweit" entfernt.

Neue Eigentümer wollen Marke stärken

Palmers sei trotz bekannter operativer Marktschwierigkeiten "ein gutes Unternehmen mit einer besonders starken Marke", heißt es aus Kreisen der Beteiligungsfondsgsellschaften. "Dieses irrsinnige Marken-Potenzial gehört ausgebaut, das Geschäft aufgerichtet." Es habe ja bereits große Restrukturierungen gegeben, die Früchte davon gelte es nun zu ernten. Palmers soll auch im Ausland - vornehmlich in Osteuropa - weiter auf Expansionskurs gesetzt werden.

Auch seitens Quadriga Capital in Deutschland (künftig 80-Prozent-Aktionär der Palmers Textil AG) wird betont, dass es sich um ein nachhaltiges Direktinvestment handelt. "Hinter unseren Investorengruppen steht kein Textilunternehmen oder ein anderer strategischer Partner", hieß es am Freitagabend aus der deutsch-österreichischen Invstorengruppe zur APA.

Dass der Deal wie geplant Anfang kommender Woche über die Bühne geht, daran gibt es keinen Zweifel mehr. Bei Austria Haustechnik (AHT) hatte die Übernahme durch Quadriga Capital erst im zweiten Anlauf geklappt, das Verfahren hatte sich über Monate gezogen. Bei Palmers soll es jetzt schnell gehen, alle großen Familienaktionärgruppen stünden hinter dem Verkauf, verlautet auch aus Kreisen der Financiers des Deals. (APA)

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