Anführer der Terroristen von Beslan ermittelt

10. September 2004, 17:33
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Verbleib Ruslan Chutschbarows vorerst unklar - Gelang ihm die Flucht?

Moskau - Eine Woche nach dem blutigen Ende der Geiselnahme von Beslan haben russische Fahnder nach Medienberichten den Anführer des Terrorkommandos ermittelt. Der wegen Mordes gesuchte Tschetschene Ruslan Chutschbarow habe die mehr als 30 Geiselnehmer kommandiert, berichtete die Moskauer Zeitung "Wremja Nowostej" am Freitag unter Berufung auf die Sicherheitsbehörden. Chutschbarow, der den Decknamen "Polkownik" (Oberst) hatte, gehöre zum Umfeld des tschetschenischen Topterroristen Schamil Bassajew. Der Verbleib von Chutschbarow sei noch unklar.

Ein verletzter siebenjähriger Bub aus Beslan starb in der Nacht in einem Moskauer Krankenhaus, so dass die Zahl der Todesopfer auf offiziell 331 stieg. Immer noch lagen mehr als 360 Verletzte in Krankenhäusern in Beslan, Wladikawkas und anderen Städten.

Drei Tage nach dem Überfall auf die Schule Nr. 1 von Beslan war die Geiselnahme am vergangenen Freitag blutig eskaliert. Die Terroristen töteten in der Schulturnhalle hunderte Gefangene. Sicherheitskräfte konnten die Mörder erst nach Stunden chaotischer Kämpfe überwältigen.

Der lebend gefangene Geiselnehmer Nur-Paschi Kulajew habe den Terroristen "Polkownik" als Anführer genannt, berichteten russische Medien. Während der Geiselnahme habe Chutschbarow einige der eigenen Leute ermordet, weil sie Zweifel an der Kommando-Aktion äußerten. Geheimdienstler sagten, von den getöteten Terroristen sei noch keiner als Chutschbarow identifiziert worden. Deshalb sei nicht ausgeschlossen, dass ihm die Flucht geglückt sei. Der Tschetschene habe seit dem Jahr 2000 Terroranschläge im Auftrag Bassajews verübt.

Ministerpräsident Michail Fradkow wies Kritik der Europäer am Verhalten der russischen Behörden in der Krise zurück. "Wir reagieren verärgert auf Erklärungen aus einigen EU-Staaten, die von Russland Aufklärung verlangen", sagte Fradkow vor Diplomaten der Europäischen Union. Schließlich sei Russland selbst daran interessiert, die richtigen Folgerungen aus dem tragischen Geschehen zu ziehen. Der russische Sicherheitsrat will am 20. September über verschärfte Anti-Terrorgesetze beraten.

In Berlin schlug der SPD-Außenexperte Gernot Erler zur Lösung des Tschetschenien-Konflikts einen "Stabilitätspakt für den Kaukasus" vor. Daran sollten Russland in führender Position, die EU und Nachbarstaaten wie Georgien mitwirken, sagte Erler der "Netzeitung". Es müsse verhindert werden, "dass sich die Russische Föderation nach der Tragödie von Beslan politisch einigelt, einsame Entscheidungen trifft". Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok begrüßte den Vorschlag. Er warnte aber davor, Russland die Führung in dem Pakt zu überlassen. (APA/dpa)

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