Gaza: Radikale Siedler drohen mit Bürgerkrieg

11. September 2004, 12:20
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Bombenanschlag im Westjordanland verhindert

Jerusalem - Jüdische Siedler haben angesichts der geplanten Räumung des Gazastreifens am Freitag mit einem Bürgerkrieg in Israel gedroht. Ministerpräsident Ariel Sharon habe kein Mandat für einen solchen Rückzug, sagte Eliezer Hasdai, Vorsitzender einer Siedlervereinigung, im israelischen Radio. Falls dieser ohne Volksbefragung durchgeführt werde, gebe es zwei Möglichkeiten: Die Soldaten könnten den Evakuierungsbefehl verweigern, oder "es kommt zu einer Art Bürgerkrieg".

Sharon beharrt auf Räumung

Im Gazastreifen leben rund 8.000 jüdische Siedler. Sharon bekräftigte in einem am Freitag veröffentlichten Interview der "Jerusalem Post", er werde seinen Plan ungeachtet der Drohungen umsetzen. Die jüngsten Äußerungen Hasdais zeigen indes, dass die Spannungen zwischen Abzugsgegnern und -befürwortern zunehmen. Die Zeitung "Maariv" zitierte ihn mit den Worten: "Wenn jemand (in den Gazastreifen) kommt und das Grab meiner Tochter berührt, sei es ein Soldat oder der Stabschef, werde ich ihn erschießen." Im Radio ergänzte er: "Eine Kugel reicht aus, und es wird zu einem Bürgerkrieg kommen."

Siedlungen im Westjordanland werden ausgebaut

Der Ausbau von Siedlungen im Westjordanland kann nach den Worten Sharons unvermindert und ohne Widerstand aus Washington fortgesetzt werden. Bedingung sei, das er unauffällig vonstatten gehe, wie der Ministerpräsident in dem Interview sagte.

Auf die Frage der "Jerusalem Post", ob es mit den USA eine stille Übereinkunft über einen begrenzten Siedlungsausbau gebe, sagte Sharon: "Ja, wir können in den großen Siedlungen weiterbauen."

Das wäre ein offener Verstoß gegen die Roadmap, den internationalen Friedensplan, zu dem sich die USA nach wie vor öffentlich bekennen. "Wenn wir Grundsteinlegungen feiern, Pressekonferenzen geben und erklären, was wir machen, bringt es (die USA in) Schwierigkeiten", sagte Sharon.

Bombenanschlag verhindert

Im Westjordanland vereitelten israelische Sicherheitskräfte unterdessen einen Bombenanschlag: Ein Mann hatte in seinem Taxi zehn Kilogramm Sprengstoff verborgen, als er an einem Kontrollpunkt bei Nablus angehalten wurde. Bevor die Soldaten das Auto untersuchen konnten, warf er die Bombe aus dem Fenster. Sie wurde kontrolliert zur Detonation gebracht. Nach israelischen Angaben hatte der Geheimdienst Shin Bet einen Hinweis erhalten, wonach die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden eine Bombe aus Nablus heraus schmuggeln wollten. (APA/AP/Reuters)

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"My Algeria is here"

Das Sharon-Interview in der Jeusalem Post

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