Naomi Campbell löst Diskussion über Privatsphäre und Pressefreiheit aus

24. September 2004, 13:53
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Model machte TV-Bekenntnis über Drogenprobleme, klagte aber "Daily Mirror" wegen genau solcher Berichte

Das Fotomodell Naomi Campbell (34) hat mit einem offenen TV-Bekenntnis zu seinen Drogenproblemen in den britischen Medien eine Diskussion über Privatsphäre und Pressefreiheit ausgelöst. Denn vor nur vier Monaten hatte sich Campbell vor dem britischen Oberhaus, der höchsten Rechtsinstanz des Landes, mit einer Klage gegen die Boulevardzeitung "Daily Mirror" durchgesetzt, die über eben diese Drogenprobleme berichtet hatte.

"Heuchlerisch"

Diese Entscheidung hatte in Großbritannien weit mehr Staub aufgewirbelt als jetzt das Caroline-Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte wonach Prominente nur dann im Bild berichtet werden darf, wenn es um ihre offizielle Funktion geht. Die Zeitung "The Sun" bezeichnete es am Freitag als "heuchlerisch", dass Campbell nun in einem Medium ihrer Wahl in aller Ausführlichkeit eben das erzähle, wogegen sie vorher gerichtlich vorgegangen sei.

"Ich habe meine ersten Drogen genommen, als ich 24 war", sagte sie in der aufgezeichneten Talkshow, die am Samstagabend ausgestrahlt wird. Sie kämpfe noch immer gegen die Sucht und habe schon in vielen Ländern die Gesprächsgruppen von Drogenabhängigen besucht: "Wenn man einmal süchtig ist, dann ist man immer süchtig."

Der "Daily Mirror" hatte ein Foto veröffentlicht, das Campbell beim Verlassen einer solchen Gesprächsgruppe zeigte. In höchster Instanz entschieden die Lordrichter des Oberhauses im Mai, dass die Zeitung damit ihre Privatsphäre verletzt habe. Der damalige "Mirror"-Chefredakteur Piers Morgan sagte dazu: "Das ist ein guter Tag für verlogene, drogenabhängige Primadonnen." Ein Recht am eigenen Bild oder einen Schutz der Privatsphäre kannte die englische Rechtsprechung bisher nicht. (APA)

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