Gewerkschaftsfusion: Metaller wollen keinen Neugründungsprozess mehr

13. September 2004, 08:52
2 Postings

Nürnberger: "Gute Kooperation mit der GPA" werde aber fortgesetzt

Wien - Rudolf Nürnberger, Chef der Metaller-Gewerkschaft, schließt weitere Fusionsprojekte zwischen Teilgewerkschaften vorerst aus. Die Neugründung einer Gewerkschaft wäre "gewerkschaftspolitisch die beste Lösung", allerdings habe man im Zentralvorstand nun beschlossen, den Neugründungsprozess nicht mehr fortzusetzen, so Nürnberger nach der Sitzung des Zentralvorstandes gegenüber Journalisten. Wie berichtet, ist die Fusion auf Grund der wirtschaftlichen Aktivitäten der GPA gescheitert. Andere Gründe ließ Nürnberger erneut nicht gelten.

Die geplante Fusion zwischen der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) und den Metallern sowie den Gewerkschaften Druck, Journalismus, Papier und Agrar-Nahrung-Genuss hätte die Verfolgung gewerkschaftspolitischer Ziele und die Mitgliederbetreuung erleichtert, räumt Nürnberger ein, aber man sei eben "nicht einer Meinung gewesen", was zum Kerngeschäft einer Gewerkschaft gehöre. Das sei aber die Grundvoraussetzung für die beteiligten Gewerkschaften gewesen.

Die GPA habe eine hervorragende Wohnbauvereinigung. "Dagegen ist nichts einzuwenden. Alle anderen Aktivitäten gehören aber nicht zum Kern gewerkschaftlicher Tätigkeiten", spricht Nürnberger den offiziell genannten Stein des Anstoßes an. Atmosphärische Verstimmungen oder gar einen Machtkampf zwischen ihm und GPA-Chef Hans Sallmutter ließ er nicht als Gründe der geplatzten Fusion gelten.

Der Beschluss sei nicht leicht gefallen, aber man habe keine Alternative gehabt. Nichtsdestotrotz werde die Metallergewerkschaft die "gute Kooperation mit der GPA fortsetzen". Gelegenheit dazu haben die Teilgewerkschaften bei den Ende September anstehenden Gehalts- und Lohnverhandlungen.

Zu der massiven Kritik der GPA an der Wirtschaftsprüfungskanzlei Ernst & Young, die ein Gutachten über die GPA-Privatstiftung und ihre einzelnen Gesellschaften erstellt hat, meinte Nürnberger lediglich, dass er hier nicht befugt sei, Bewertungen abzugeben. Der Gewerkschaftsbund (ÖGB) sei Auftraggeber, nicht er, und er spiele hier keinen Schiedsrichter. Der Auftrag sei im Einvernehmen mit allen Gewerkschaften (auch der GPA) erstellt worden.

GPA-Chef Hans Sallmutter hat laut dem "Format" die Ergebnisse der Prüfung als "nicht nachvollziehbar bzw. schlichtweg falsch" bezeichnet. (APA)

Share if you care.