Greiner verpackt nun auch in Tschechien

17. September 2004, 16:57
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16 Millionen Euro in neues Werk im nordböhmischen Litvinov investiert - Verpackungsspezialist setzt weiter auf Ost-Expansion - Standort Kremsmünster nicht gefährdet

Litvinov/Kremsmünster - Der zur oberösterreichischen Greiner-Gruppe gehörende Verpackungsspezialist Greiner Packaging will auch künftig vor allem in den rasch wachsenden Reformländern Mittel- und Osteuropas investieren. Mit dem strategisch wichtigen neuen Produktionsstandort im nordböhmischen Litvinov habe man die Marktpräsenz in den neuen EU-Ländern deutlich verstärkt, betonte Greiner-Packaging-Chef Willi Eibner bei der offiziellen Werkseröffnung am Donnerstag. Der Standort Kremsmünster sei durch Litvinov auch langfristig nicht gefährdet, versicherte Eibner.

Markt- und Kostenführerschaft

Ziel sei es, die "Markt- und Kostenführerschaft" in Mittel- und Osteuropa bei Standard-Bechern für die Lebensmittelindustrie zu erreichen, erklärte der Leiter des neuen Werkes in Litvinov, Zdenek Brecka. Bisher wurden in den Standort 16 Mio. Euro investiert. Der Mitarbeiterstand soll von derzeit 74 bis Jahresende auf 85 erhöht werden und im kommenden Jahr auf 150 steigen. 2005 will man bereits 700 Mio. Becher erzeugen, der Break-even liege bei einer Stückzahl von einer Milliarde, erklärte Eibner.

Für den Standort Litvinov hätten einige Faktoren gesprochen, so der Unternehmenschef. Neben der günstigen geographischen Lage - Zielmärkte seien Deutschland, die Niederlande, Polen und Tschechien - seien dies die bisher sehr guten Erfahrungen in Tschechien, das günstige Lohnniveau und nicht zuletzt auch staatliche Förderungen. So werde jeder neu geschaffene Arbeitsplatz mit 200.000 Kronen (6.308 Euro) gefördert, außerdem sei man für zehn Jahre von der Gewinnsteuer befreit. "Die Tschechische Republik ist sehr Investorenfreundlich", streute Eibner dem Gastland Rosen.

Den großen Volkswirtschaften Italien, Deutschland und Frankreich wirft er vor, dringend notwendige Reformen nicht umzusetzen. So sei etwa in Deutschland wegen des großen Einflusses der Gewerkschaften das Investitionsklima äußerst ungünstig. Lobende Worte fand er hingegen für die Wirtschaftspolitik der Schweiz, wo das Greiner-Werk in Diepoldsau äußerst profitabel sei.

Sehr gute Erträge in Österreich und der Schweiz

Den Standort Kremsmünster, der ähnliche Produkte herstelle wie das Werk in Litvinov, sieht Unternehmenschef Eibner nicht gefährdet. Er gehe davon aus, dass der Lohnvorteil der neuen EU-Länder noch etwa 10 Jahre erhalten bleiben wird - diesen Zeitraum könne man aber durch die hohe Produktivität und Innovationskraft der teuren Standorte in Österreich und in der Schweiz überbrücken, wo man sehr gute Erträge habe.

Neben den Standorten im tschechischen Litvinov und Slusovice ist Greiner Packaging auch in Sergelyes (Ungarn), Tabasalu (Estland) und Sibiu (Rumänien) vertreten. In Polen gibt es Standorte in Teresin und zwei weitere Produktionsstandorte wurden im Mai 2004 in Grodzisk und Poznan übernommen.

Familienbesitz

Greiner Packaging gehört zur Greiner-Gruppe, die sich zu 100 Prozent in Familienbesitz befindet. Der Konzern steigerte 2003 seinen Umsatz um drei Prozent auf 651 Mio. Euro, wovon mehr als ein Viertel (179,1 Mio. Euro) auf die Verpackungssparte entfiel. Für heuer erwartet Konzernvorstand Boris Greiner einen Umsatzzuwachs von 10 Prozent. Die gesamte Greiner-Gruppe beschäftigt derzeit knapp 5.600 Mitarbeiter an 100 Standorten in 26 Ländern. Greiner Packaging will bis Jahresende auf 1.760 Beschäftigte kommen. (APA)

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