Experte: Misshandelte Abu-Ghraib-Gefangene waren einfache Straftäter

13. September 2004, 09:56
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"Vielleicht einer" der irakischen Männer auf Fotos war ein Kämpfer - Andere konnten gar keine nützlichen Informationen geben

Washington - Fast alle der im irakischen Gefängnis Abu Ghraib misshandelten Gefangenen sind offenbar keine Kämpfer gewesen. "Die meisten Fotos, die Sie gesehen haben, zeigen Kriminelle", sagte der Chef einer unabhängigen Expertenkommission zum Vollzugssystem, James Schlesinger, am Donnerstag (Ortszeit) vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats in Washington. "Alle, bis auf einen vielleicht" seien einfache Straftäter gewesen, die der US-Armee keine nützlichen Informationen hätten geben können, antwortete Schlesinger auf eine Frage des demokratischen Senators Joseph Lieberman.

Warum, wenn sie keine Informationen hatten, die sie preisgeben können?

"Wenn es nicht dazu gedient hat, Informationen zu erhalten, warum hetzt man dann Hunde auf sie, warum nimmt man sie an die Leine, warum fordert man sie auf, sich auszuziehen?", fragte Lieberman.

Schlesinger sagte, in einigen Fällen habe es sich um "reinen Sadismus" gehandelt. Die Militärpolizisten seien von Geheimdienstagenten unter anderem dazu ermutigt worden, die Gefangenen auszuziehen.

44 Fälle von Misshandlungen

Der Senatsausschuss befragte am Donnerstag mehrere Verantwortliche, die mit der Aufklärung des Gefangenenskandals befasst sind. Dabei wurden 44 Fälle von Misshandlungen festgestellt, von denen 13 bei Verhören stattgefunden hätten.

Der US-General Paul Kern wies in der Anhörung darauf hin, dass bis zu hundert Gefangene im Irak "heimlich" festgehalten worden sein sollen. Die Folteraffäre von Abu Ghraib war im April durch die Veröffentlichung von Fotos mit misshandelten irakischen Gefangenen bekannt geworden. Die Aufnahmen hatten weltweit Empörung ausgelöst. (APA)

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    Die "privaten Verhörspezialisten" im Abu Ghraib-Gefängnis setzten auch Militärhunde ein.

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