"Österreichische Lösung" wackelt

21. September 2004, 14:16
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Sechs internationale Konzerne drängen nach Österreich - Interesse der österreichischen Unternehmen hingegen "beginnt zu schwinden"

Wien - Die Österreichische Lösung für den Teilverkauf von Postbus und Bahnbus wackelt. Für einige der insgesamt 32 Linien-Pakete, die nach einem Regierungsbeschluss noch heuer verkauft werden sollen, werden möglicherweise nur internationale Konzerne ein Angebot legen. Das Interesse der österreichischen Busunternehmen hingegen "beginnt zu schwinden", sagte ein namhafter potenziellen Käufer, der in Hinblick auf die weiteren Verhandlungen nicht genannt werden wollte.

Das Büro von Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. "Kein Kommentar", meinte eine Sprecherin zur APA. "Politisch" halte Gorbach an einer österreichischen Lösung fest. Die Entscheidung treffe aber der Postbus-Aufsichtsrat. Dieser hat laut Ausschreibungsunterlagen grundsätzlich die Möglichkeit den Verkauf zu stoppen.

Sechs Interessenten

Wie die APA aus mit dem Verkaufsprozess befassten Kreisen erfuhr, haben sich insgesamt sechs Interessenten aus dem Ausland gemeldet: die Deutsche Bahn, die französische Bahn mit ihrer 44-Prozent-Bus-Tochter Keolis, die britische Arriva, die deutsch-französische Connex (Tochter des Mischkonzerns Vivendi), eine Gruppe mehrerer Unternehmen vertreten durch eine Bank namens First Group und als sechster die tschechische Republik. Für sämtliche 32 Pakete soll aber bisher nur Connex ein Angebot gelegt haben.

Kritik üben die Privaten vor allem an Auflagen zur Übernahme von Personal und an überalterten Bussen. Der Chef der Wiener Lokalbahnen, Josef Pelz, meint, die Busse die mit den Paketen verkauft würden seien großteils um die 15 Jahre alt. Zum Fortbetrieb der Linien müsste er daher neue Busse anschaffen, was sich kaum rechne. Wenn nun auch das Postbus-Personal mit übertragen werde und, wie von Vizekanzler Gorbach angekündigt, dabei zusätzlich einen Versetzungs- und Kündigungsschutz erhalte, müsse "die Republik den Interessent noch etwas daraufzahlen, damit es sich rechnet", die Linien weiterzuführen, meint Pelz.

Für "einige Pakete", heißt es dazu aus den Interessentenkreisen, werden daher voraussichtlich nur internationalen Interessenten Angebote legen, die bereit sind, für einen Markteinstieg "strategische Preise" zu bezahlen. Den österreichischen Playern werde es nur bei einzelnen Paketen "einen strategischen Preis wert sein, Global Player abzuwehren", heißt es.

Gutachten zur Bewertung der Verkaufspakete verzögern sich

Derzeit ist noch unklar, was die Privaten für das zu verkaufende Drittel von Postbus und Bahnbus zahlen. Nach dem gewählten Verkaufsverfahren wird der Mindestpreis durch zwei unabhängige Bewertungsgutachten ermittelt. Diese Gutachten lassen allerdings auf sich warten.

Die Wirtschaftlichkeitsprüfung (due dilligence) für das Postbus/Bahnbus-Drittel läuft noch bis 17. September. Bis dahin sollten die Gutachten eigentlich vorliegen, zumal die Interessenten danach binnen vier Wochen ein Angebot vorlegen sollten. Aus Postbus-Kreisen heißt es aber, dass die Gutachten bis zu diesem Stichtag kaum fertig sein werden. Offen ist vor allem noch, wie hoch die Personalkosten für die abzugebenden 32 Pakete angesetzt werden sollen. Schließlich sei noch nicht einmal endgültig geklärt, wie das Personal an die Privaten weitergegeben werde, heißt es.

40 Mio. Euro erwartet

Die ÖBB erwarten nach bisherigen Aussagen für das gesamte Drittel einen Verkaufserlös von rund 40 Mio. Euro - exakt ein Drittel von dem, was die ÖBB 2003 für die Übernahme des Postbus bezahlt haben. Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) hat zuletzt aber erklärt, dass die ÖBB ebenso wie die Regierung auch Abschläge hinnehmen würde, wenn die Privaten die Postbus-Linien samt den Mitarbeitern und deren Sonderrechten übernehmen würden.

Bei den privaten Interessenten klagt man bereits, dass - abgesehen davon, dass einige Pakete komplett unattraktiv seien - die bisher vorgelegten Informationen völlig unzureichend seien. Bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung habe man defacto keine neuen Daten erhalten. Ein "seriöser Käufer" könne "da kaum ein Angebot machen", heißt es aus österreichischen Interessentenkreisen. (APA)

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