Italien: Trio macht Jagd auf AC Milan

12. September 2004, 00:04
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Serie A startet: Rossoneri haben 18. Scudetto im Visier - Vize Roma, Juve und Inter härteste Rivalen - Schopp und Manninger auch dabei

Rom/Wien - Mit 20 statt 18 Vereinen, elf neuen Trainern, sechs Aufsteigern, drei Herausforderern, zwei Österreicher-Klubs, aber nur einem großen Favoriten geht ab Samstag die italienische Serie A in die neue Fußball-Saison. Der Gejagte heißt AC Milan, ist campione und Supercup-Gewinner. Die Rossoneri haben ihren 18. "Scudetto" im Visier.

Trainer Carlo Ancelotti will aber mehr, nennt auch die 2003 gewonnene Champions League als Ziel. Der 45-Jährige, dessen Elf in der vorigen Saison mit 82 Zählern den Liga-Rekord der AS Roma (75 Punkte 2000/01) regelrecht pulverisiert hatte, bekam zu seinem ohnehin schon starken Kader den Niederländer Stam von Lazio für die Abwehr und den Argentinien-Stürmer Crespo als Chelsea-Leihgabe dazu.

Mit "Heimkehrer" Rudi Völler, der von 1987 und 1992 selbst für die Hauptstädter gespielt hatte, anstelle von Fabio Capello auf der Kommando-Brücke versucht es die AS Roma. Der Deutsche sprang kurzfristig für Cesare Prandelli ein, der aus familiären Gründen als Capello-Nachfolger dem vierfachen Meister (zuletzt 2001) abgesagt hatte. "Tante Käthe" fand aber kaum Zeit zur Vorbereitung und hat mit Emerson (Juventus) und Samuel (Real Madrid) zwei wichtige Spieler nicht mehr zur Verfügung. Als namhafte Zugänge sind Mido (EGY) aus Marseille und Mexes (FRA) aus Auxerre sowie Ferrari (Parma) und Perotta (Chievo) geholt worden.

Capello befehligt nun Rekord-Champ Juventus (zuletzt 2003 ganz oben), der in der vorigen Saison Liga-Dritter war. Die "Alte Dame" hat ein umfassendes Lifting hinter sich, neben Emerson und Cannavaro (Inter) erst wenige Stunde vor Transferschluss um 19 Millionen Euro auch den Schweden Ibrahimovic von Ajax engagiert. "Mit ihm haben wir einen der besten Angreifer", meint Sturm-Partner Del Piero. Mit Nedved, Trezeguet und Co. sind die Turiner ein wirklich ernst zunehmender Titelanwärter.

Inter, immerhin 13 Mal Meister, aber schon seit 1989 ohne Liga-Titel, setzt ebenfalls auf einen neuen Coach. Roberto Mancini kam von Cupsieger Lazio Rom und ersetzt Alberto Zaccheroni. In der Hauptstadt hat Mancini sogar einen Mihajlovic dazu gebracht, sich dem Kollektiv unterzuordnen. Disziplin und Linie soll er nun auch den Mailänder beibringen. Die Nerazzurri entpuppten sich auf dem sommerlichen Transfermarkt als eifrigste Einkäufer (Davids, Veron, Ze Maria, Mihajlovic, Cambiasso etc.).

Durch die Aufstockung auf 20 Klubs spielen gleich sechs Aufsteiger im Oberhaus mit. Es sind dies AS Livorno, am Samstag in San Siro der erste Gegner von Milan, Atalanta Bergamo, Cagliari Calcio, US Palermo, FC Messina und ACF Fiorentiona. Das Gros des Sextett wird wohl gegen den Abstieg kämpfen. Der Klassenerhalt ist auch das oberste Ziel der zwei Österreicher Markus Schopp mit Brescia und Alexander Manninger mit AC Siena. Die zwei Vereine haben die vorige Saison auf den Rängen 13 bzw. 14 beendet.

Der Mittelfeldspieler hat 2003/04 unter Trainer Giovanni de Biasi 20 mehr oder weniger lange Einsätze, jedoch kein Fixleiberl gehabt und auch kein Tor erzielt. Schopp zählt auch diesmal nicht zur Startelf, weil sein Coach weiter auf das 4-3-3-System und damit nicht auf den austriaco setzt. "Das muss ich akzeptieren, ich werde hart trainieren und mir nichts zu Schulden kommen lassen. Vielleicht komm' ich im Cup zum Spielen", hofft der 30-jährige.

Laut Schopp, der den Klub im Winter zu 90 Prozent verlassen (ein englischer Erstdivisionär zeigt Interesse) wird, peilt die "gute Mannschaft einen gesicherten Mittelfeldplatz an." Manninger reiste am Donnerstag mit einem geschwollenem Gesicht als Aserbaidschan-Andenken in seine neue Wahlheimat Siena zum ersten Training. Der 27-jährige Tormann war ja erst während des ÖFB-Teamcamps vom FC Bologna auf Leihbasis für ein Jahr in die Toskana transferiert worden.

Der Salzburger hat bisher 44 Treffer in 27 Serie-A-Partien kassiert und hofft, dass er die Nummer eins von Trainer Luigi Simoni wird. Der Dress mit dem Einser gehört Alex schon. "Ich habe große Erwartungen, ich will nicht Zweier- oder Dreier-Goalie sein." Die jüngsten Teamauftritte könnten Manningers Bemühen förderlich gewesen sein. Und wie schätzt er die Liga-Chancen seines neuen Arbeitgebers ein? "Der kleine Verein hat ein großes Ziel und das lautet Klassenerhalt." (APA/Reuters/SIZ)

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