Sechs Tote bei israelischem Panzervorstoß in Gaza

10. September 2004, 20:33
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Neunjähriger unter den Opfern im palästinensischen Flüchtlingslager Jabalya - Armee setzt Angriffe im Gaza-Streifen fort

Jerusalem/Gaza-Stadt - Bei einem israelischen Panzervorstoß auf das Palästinenser-Flüchtlingslager Jabalya im Gaza-Streifen sind am Donnerstag fünf Palästinenser getötet worden, darunter ein Neunjähriger. Im Westjordanland wurde ein 18-jähriger Palästinenser Augenzeugen zufolge von einem Militärjeep überrollt und getötet.

Jabalya: größtes Lager im Gaza-Streifen

Nach Angaben von Ärzten wurden bei der seit Mittwoch laufenden Militäroperation im Gaza-Streifen mindestens 35 Personen verletzt, darunter auch Zivilisten. Jabalya, das mit rund 100.000 Bewohnern größte Lager im Gaza-Streifen, gilt als eine Hochburg palästinensischer Extremisten. In israelischen Militärkreisen hieß es, die Soldaten hätten lediglich auf bewaffnete Angreifer geschossen. Israels Vorstoß, wenige Tage nach den Selbstmord-Anschlägen der Hamas in Südisrael mit 16 Toten, wird offiziell von der Armee damit begründet, palästinensische Widerstandsnester ausschalten zu müssen.

Steinwürfe im Flüchtlingslager

Zu dem Vorfall im Westjordanland erklärte das israelische Militär, die Besatzung des Jeeps sei im Flüchtlingslager Al-Amari von palästinensischen Steinewerfern attackiert worden. Die Soldaten hätten in Todesangst die Flucht ergriffen. Dabei sei es zu dem Unglück gekommen.

Armee setzt Angriffe im Gaza-Streifen fort

Mit dem Hubschrauberangriff setzte die israelische Armee den dritten Tag in Folge ihre Einsätze im nördlichen Gaza-Streifen fort. Ziel ist es nach Armeeangaben, Raketenangriffe radikaler Palästinenser auf Städte im Süden Israels zu unterbinden. Dem Luftangriff gingen Gefechte zwischen Soldaten und Palästinensern in Dschabalja voran, das als Hochburg von Extremisten gilt. Seit Beginn des Armee-Vorstoßes am Mittwoch, wenige Tage nach den Selbstmordanschlägen der radikal-islamischen Hamas im südisraelischen Beerscheba, haben israelische Soldaten sechs Palästinenser getötet und mehr als 70 verletzt.

Zwischenfall auf moslemischem Friedhof in Bethlehem

Zu einem möglicherweise folgenschweren Zwischenfall kam es in Bethlehem, als israelische Soldaten auf einem moslemischen Friedhof einen versteckten Sprengsatz unschädlich machten. Nach israelischen Angaben hatten Extremisten die Bombe in einem leeren Grab deponiert. Bei der Sprengung wurde nach palästinensischen Angaben ein Nachbargrab beschädigt, so dass Angehörige die bei der Detonation durch die Luft geschleuderten Überreste des Toten umbetten mussten.

Die für den Friedhof zuständige moslemische Geistlichkeit warf der israelischen Armee Schändung des Friedhofs und Störung der Totenruhe vor. Ein Sprecher der Armee widersprach: "Wir haben nur eine Bombe entschärft".

Der Friedhof, den nach Aussage des Moslem-Geistlichen "ein israelischer Soldat noch nicht einmal betreten darf", liegt in der Nähe des von gläubigen Juden verehrten Grabes der biblischen Mutter Josephs und Benjamins, Rahel. Dies wird wiederum von den Moslems bestritten. Auf dem umstrittenen Gelände sei die von ihnen verehrte historische Moschee Bilal Al-Rabah, zu der ihnen der Zugang seit 1967 von Israel verwehrt werde. (APA/Reuters)

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