Ein Supermarkt tourt durch verödete Dörfer

12. September 2004, 20:11
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"Wir bringen, was Sie brauchen" zweimal pro Woche um die gleiche Zeit

Kommen die Kunden nicht mehr in den Supermarkt, so kommt der Supermarkt zu den Kunden: Mit mobiler Grundversorgung fährt ein Exkonsummanager in Teilen Niederösterreichs, Wiens und der Steiermark auf Expansionskurs. Sein Ziel: 50 "Rollende Supermärkte".

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St. Pölten/Graz/Wien - Wichtig sei vor allem "Pünktlichkeit", erklärt Johann Enne. Sowie, damit verbunden, die Verlässlichkeit, dass der Lkw mit der Aufschrift "Wir bringen, was Sie brauchen" zweimal pro Woche um die gleiche Zeit klingelnd auf den Hauptplatz einbiegt. Oder auf einen anderen Verkaufsstammplatz des "Rollenden Supermarkts", der in abgelegenen Orten Versorgung mit Lebensmitteln und Bedarfsartikeln ermöglicht.

Dem im Jahr 2000 gestarteten Projekt sei bisher "beachtlicher Erfolg" beschieden gewesen, betont Initiator Enne. Aus einem mobilen Supermarktwagen wurden drei. Derzeit peilen der einstige Konsummanager und ein Franchisenehmer die Bezirke Mistelbach, Gänserndorf und Zistersdorf an, ab kommendem Frühjahr werden Supermärkte zusätzlich durch die Bezirke Mödling und Baden kurven.

Tour auch durch den 21. und 22. Bezirk in Wien

Teile des 21. und 22. Bezirks in Wien werden bereits beliefert. In der Steiermark rollt ein Markt durch Teile des Bezirks Leoben, auch hier von einem Franchisenehmer gelenkt. Der Kundenkreis besteht an allen Orten zu drei Viertel aus älteren Menschen. Doch auch Mütter mit Kleinkindern, aber ohne Auto nutzen die Einkaufsmöglichkeit.

Fehlende Infrastruktur

Im Grunde, so Enne, setze sich der mobile Markt dort durch, "wo die Infrastruktur schon verödet ist". Etwa, weil der einzige Lebensmittelhändler in einer kleinen Katastralgemeinde keinen Nachfolger finden konnte: Der häufigste Grund für das Aufgeben traditioneller Lebensmittelgeschäfte. Oder, weil keine öffentlichen Busse in die Hauptorte mehr fahren - beziehungsweise an deren Peripherie, wo sich Einkaufszentren vielfach ansiedeln.

Auf einen Bedarf "von bis zu 50" mobilen Nahversorgungswagen bundesweit kam indes eine Marktstudie der Wiener Wirtschaftsuniversität in Zusammenarbeit mit einem Consultingunternehmen. Nötig - so die Untersuchung - sei jedoch ausreichend Startkapital: Für den Lkw sowie für die Anmietung von Lagerräumen für die Supermarktware.

Aus diesem Grund hätten sich bisher nur Betreiber eines fixen Geschäfts auch über das mobile Geschäft gewagt, weiß Enne. Dabei könnte laut Studie jeder rollende Supermarkt einen Umsatz von bis zu 30.000 Euro im Monat erzielen - bei einem Durchschnittsumsatz von 15 Euro pro Einkauf.

Um mehr rollende Supermärkte auf die Straßen zu bringen, steht Ideengeber Enne - wie er sagt - "derzeit in Verhandlungen mit einem Kapitalgeber". Das Gerücht, dass es sich dabei um einen großen Supermarktkonzern handelt, bestätigt er nicht. Vielmehr, so betont er, sei er "dringend auf Franchisenehmersuche". (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 10.9.2004)

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