"Zatoichi": Aufruhr im Historyland

26. März 2005, 22:44
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Takeshi Kitano hat sich für seinen jüngsten Film "Zatoichi" als blinder Schwertkämpfer verkleidet und ein Traditionsgenre neu aufgemischt

Wien - Zatoichi, Takeshi Kitanos elfte Regiearbeit fürs Kino, ist auch sein erster "Historienfilm". Wobei gleich relativierend gesagt werden muss, dass man sich das eher so wie einen Betriebsausflug des Kitano-Clans in ein fröhliches Historyland vorzustellen hat.

Statt der Adjustierung moderner Großstadtkämpfer trägt man Kimono und Schwert, und statt (wie in vielen anderen Kitano-Filmen) die Stehzeiten mit allerhand sportlicher Ertüchtigung - oder Kinderspielen - zu verbringen, wird dann eben traditionelle Kampftechnik mit Holzstöcken trainiert. Das sieht in Zatoichi wiederum so ähnlich aus wie in Jackie Chans Drunken Master, ist also Körperbeherrschung und Slapstick auf hohem Niveau und folglich für Zuseher eine helle Freude.

Auch im 19. Jahrhundert beherrschen, zwischen solchen Wartezeiten, Clanfehden und Rachepläne das Geschehen: Der Regisseur selbst verkörpert - als Beat Takeshi und mit wasserstoffblondem Kurzhaarschnitt - den legendären Titelhelden, einen blinden Masseur und Spieler, der das Schwert wie kein zweiter zu führen versteht und den in Japan, nicht zuletzt aufgrund einer äußerst populären TV-Serie, jedes Kind kennt.

Auf seinen Wanderungen gerät Zatoichi eines Tages - Sieben-Samurai-like - in ein abgeschiedenes Dorf, das von der berüchtigten Ginzo-Gang traktiert wird. Außerdem trifft er auf ein geheimnisvolles Geschwisterpaar in Geisha-Aufmachung, das ein gefährliches Doppelspiel spielt. Und in einem herrenlosen Samurai (Tadanobu Asano), der sich den Ginzo angeschlossen hat, findet er endlich einen ebenbürtigen Gegner.

Vor dem Hintergrund dieser erzählerischen Standards interessiert sich der Film jedoch mehr für das Ausarbeiten nummernartiger Szenen als für tatsächliche dramatische Verdichtungen.

Rhythmus im Blut

Zatoichi ist ein komischer Film mit melodramatischen Einsprengseln und ein Film, den Rhythmisierungen prägen: Dass sich Getas, die traditionellen japanischen Holzpantoffeln, hervorragend zu Stepptanzvariationen eignen, kann man dabei erfahren. Auch die Arbeitsabläufe auf dem Reisfeld lassen sich zu tänzerischen Sequenzen umdeuten. Die Kampfszenen dagegen nutzt der Regisseur zum einen, um seine typischen statischen Bildfolgen zugunsten von Kamerabewegungen aufzubrechen.

Zum anderen gerät dabei der gewissermaßen malerische Einsatz von grellrotem Kunstblut einmal mehr zu eigenwilligem, filmischem Action-Painting - Kitano hat schließlich nicht nur die Veröffentlichung von Romanen, Essays und einem Lyrikband vorzuweisen, spätestens seit Hana-bi (1997) ist bekannt, dass der japanische Allrounder mitunter als Maler tätig ist.

Außerdem war Kitano schon immer gut für pointierten Einsatz von Musik. Statt seinem langjährigen Komponisten Joe Hisaishi hat er für Zatoichi allerdings Keiichi Suzuki verpflichtet. Dessen Kompositionen fügen sich in ein insgesamt elaboriertes Sounddesign - bis hin zu einem überraschenden, fulminanten Finale. Alles tanzt, und man verlässt das alte Japan in gehobener Stimmung. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2004)

Von
Isabella Reicher

Jetzt im Kino
  • Einer gegen alle: Ein wasserstoff- 
blonder Takeshi Kitano greift in "Zatoichi" erstmals 
zum Schwert.
    foto: filmladen

    Einer gegen alle: Ein wasserstoff- blonder Takeshi Kitano greift in "Zatoichi" erstmals zum Schwert.

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