WAZ-Chef gibt Funktionen bei Kleinformat und Mediaprint ab

15. Februar 2005, 16:21
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Signal an Mit­gesellschafter Dichand vor Schiedsgericht - WAZ will Dichand als Hauptgeschäftsführer der "Krone" absetzen

Nach STANDARD-Informationen verlässt WAZ-Chef Erich Schumann die Gremien von "Krone" und Mediaprint. Hans Dichand und WAZ gehören je 50 Prozent der "Krone". Die WAZ will Dichand als Hauptgeschäftsführer der "Krone" absetzen. Ihr Mediaprintpartner Raiffeisen hat Schumann und Dichand geraten, beide mögen ihre Jobs hier aufgeben.

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Demnächst wird es im Machtkampf WAZ gegen Hans Dichand um die "Krone" wieder spannend: Erst versucht ein Schweizer Schiedsgericht, die Gesellschafter des Kleinformats zum Kompromiss zu bewegen. Gelingt das nicht, beginnen am 4. Oktober in Zürich die Verhandlungen, ob Hans Dichand Hauptgeschäftsführer bleiben darf.

Ende Juli überraschte Raiffeisen-Chef Christian Konrad in einem "ZiB 1"-Interview. Er habe WAZ-Gesellschafter Erich Schumann und Dichand vorgeschlagen, beide sollten ihre Funktionen bei "Krone" und Mediaprint zurücklegen.

Konrad ist mit Raiffeisen knapper "Kurier"- Mehrheitsgesellschafter. In der Mediaprint sind alle wirtschaftlichen Aktivitäten von "Krone" und "Kurier" zusammengefasst. Der Essener Medienkonzern WAZ hält an beiden Zeitungen rund die Hälfte.

Der Raiffeisen-Chef nannte seinen Vorschlag "eine sehr gute Idee". Offenbar findet das auch Erich Schumann. Nach STANDARD-Informationen überlegt er nun konkret, seine Funktionen in Österreich aufzugeben. "Daran wird gedacht", bestätigt ein Insider. Schumann, Mitglied des Gesellschafterausschusses und des Aufsichtsrates der Mediaprint, wie Dichand waren dazu nicht erreichbar.

Das Schiedsverfahren in Zürich hat die WAZ angestrengt, um Hans Dichand seines Jobs als Alleingeschäftsführer der "Kronen Zeitung" mit weit reichenden Vollmachten zu entheben.

Der Streit kochte hoch, als Dichand vor zwei Jahren die Bestellung seines Sohnes Christoph zum Chefredakteur der "Krone" durchsetzte. Die WAZ bezeichnete Christoph als ungeeignet für den Job und fordert auch seine Absetzung.

Lotto vor Gericht

Einen Nebenschauplatz zu diesem Konflikt bot Donnerstag das Handelsgericht Wien: Ein Kleinunternehmer und langjähriger Bekannter Christophs, Gerhard Hauke, pocht vor Gericht auf angebliche Zusagen über Werbung und redaktionelle Unterstützung in der "Krone" für ein Lotterieprojekt. Christoph und seine Frau Eva waren wie berichtet an der Trägergesellschaft beteiligt. Christoph entschuldigte sich Donnerstag wegen einer Magenerkrankung, seine Frau bestritt Zusagen über redaktionelle Promotion. Ein positiver Artikel darüber ist wie berichtet in der Krone erschienen.

Der Geschäftspartner verweist auf eine Mail, in dem er von redaktioneller Unterstützung schreibt, das Dichand junior ohne Widerspruch damit beantwortet habe, dass man im Grunde einig sei.

Anwalt der Dichands bei dem Lottovertrag wie vor Gericht: Tassilo Wallentin, der auch das Logo der neuen U-Bahn-Zeitung "Heute" schützen ließ. Für wen, wollte er dem STANDARD nicht verraten. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2004)

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    WAZ-Vorstand Erich Schumann.

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