Postbank-Chef kritisiert Einfluss der Politik

21. September 2004, 14:32
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Der Chef der größten Privatkundenbank Deutschlands, Wulf von Schimmelmann, hofft durch den Einstieg ausländischer Banken auf eine andere Preisgestaltung - Seine Bank sieht er auf Expansionskurs

Der deutsche Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann kritisiert im Gespräch mit Auslandskorrespondenten den politischen Einfluss auf den Bankensektor in Deutschland. "Durch die öffentlich-rechtlichen Institute gibt es einen Druck, politische Preise zu gestalten." Aus diesem Grund begrüßt er, dass ausländische Banken nach Deutschland drängen. "Das sind Banken, die können richtig rechnen." Wenn diese politische Preisgestaltung aufgelöst werde, "ist uns das recht". Die Kritik des Chefs der mit 11,5 Millionen Kunden größten Privatkundenbank Deutschlands richtet sich vor allem gegen die Sparkassen, die rund 55 Prozent des Bankensektors in Deutschland ausmachen.

Mit der Entwicklung der Postbank ist Schimmelmann sehr zufrieden: Die Bank konnte gerade das beste Quartal der Unternehmensgeschichte verbuchen. Das Ergebnis vor Steuern stieg auf 146 Millionen Euro - ein Plus von 41,7 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet er ein um mindestens 15 Prozent besseres Ergebnis.

Irrungen und Wirrungen nicht gewünscht

Zum im Juni erfolgten Börsengang sagte von Schimmelmann: "Wir hätten uns gewünscht, dass es die Irrungen und Wirrungen nicht gegeben hätte." Die Vorkommnisse um die Postbank habe "das Klima für Börsengänge nicht befördert", räumt er ein. Wegen zu geringer Nachfrage hatte die Post AG den Börsengang ihrer Tochter um zwei Tage verschieben und den Preis für das Papier senken müssen. Außerdem wurde die Zahl der für das Angebot an der Börse vorgesehenen Aktien (50 Prozent minus eine Aktie) verringert. Dass die Deutsche Post die Mehrheit behalten will, "da steht die Bank eindeutig dahinter", so von Schimmelmann.

Auf die Frage des STANDARD, ob die Postbank wie die Post auf Expansionskurs im Ausland ist, sagte von Schimmelmann: "Als die P.S.K. in Österreich 2000 verkauft wurde, hätten wir Interesse gehabt. Aber es gab noch jemand anderen, der noch größeres Interesse hatte und einen viel höheren Preis zu zahlen bereit war." Die ÖIAG hat die P.S.K. damals an die Bawag um 1,279 Milliarden Euro verkauft. "Nicht nur mit Bezug auf die P.S.K., sondern generell" habe die Postbank ein Interesse an Beteiligungen im Ausland, so von Schimmelmann. "Wir haben unsere Augen ganz weit geöffnet." (Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin, Der Standard, Printausagbe, 10.09.2004)

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    Der Chef der Postbank Wulf von Schimmelmann

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