Iran: Israel "trifft eigene Maßnahmen"

12. September 2004, 12:45
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Weiter kein Durchbruch im Atomkonflikt - IAEO-Gouverneursrat berät ab Montag über iranisches Atomprogramm - USA drängen auf Einberufung des Sicherheitsrates

Teheran/Wien - Im Atomkonflikt mit dem Iran zeichnet sich noch immer kein Durchbruch ab. Der Iran halte am gesamten Zyklus der Uranverarbeitung vom Abbau bis zur Anreicherung fest, erklärte am Mittwoch der Verhandlungsführer der iranischen Delegation, Hassan Rowhani. Die USA wollen den Fall vor den UNO-Sicherheitsrat bringen; die Europäer wollen das verhindern, weil sie Angst vor einer Eskalation haben.

Israels Premier, Ariel Sharon, kritisierte indes die internationale Gemeinschaft: sie unternehme zu wenig, den Iran von der Entwicklung eigener Atomwaffen abzuhalten. Israel treffe deshalb "seine eigenen Maßnahmen, um sich zu verteidigen".

Rowhani sagte, Europa wolle den Iran nicht isolieren, aber der Druck der USA verhindere, dass die Diskussionen bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) abgeschlossen würden.

IAEO-Gouverneursrat berät ab Montag über Atomprogramm des Iran

Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) tritt kommenden Montag zu dreitägigen Beratungen in Wien zusammen. Im Mittelpunkt der Tagung steht das iranische Atomprogramm. Während sich die EU-Staaten Frankreich, Großbritannien und Deutschland bemühen, Teheran Zugeständnisse abzuringen und eine diplomatische Lösung anstreben, drängen die USA darauf, wegen Verletzung des Atomwaffensperrvertrages (NPT) den UNO-Sicherheitsrat einzuberufen. Dieser könnte im Falle der Bestätigung des Verdachts Sanktionen gegen den Iran verhängen.

Geheimdienstkreise: Iran könnte in wenigen Monaten Atomwaffen haben

Teheran hat bisher wiederholt erklärt, dass die Regierung nur an der wirtschaftlichen Nutzung von Atomenergie interessiert sei. Die USA sind jedoch überzeugt, dass der Iran mit der Anreicherung von Uran die Entwicklung von Atomwaffen betreibe. Im vergangenen Jahr hatte der Iran einen vorläufigen Stopp der Aktivitäten zur Anreicherung von Uran erklärt, den Bau von Zentrifugen zur Anreicherung seither aber wieder aufgenommen. Kürzlich kündigte Teheran außerdem an, mit der Verarbeitung von Natururan zu Uran-Hexafluorid, dem Betriebsstoff für die Zentrifugen, zu beginnen. Der Iran könnte nach Einschätzung von Geheimdienstkreisen bereits in wenigen Monaten im Besitz von Atombomben sein.

London soll Teheran eine Frist bis November gesetzt haben

Derzeit beraten Vertreter der EU-Troika und der USA über den Entwurf einer Resolution, die dem Gouverneursrat kommende Woche unterbreitet werden soll. Laut der britischen Zeitung "The Times" vom Donnerstag hat London Teheran eine Frist bis zur IAEO-Gouverneursrattagung im November gesetzt, um alle Aktivitäten, die zum Bau einer Atombombe führen könnten, einzustellen.

Weitere Themen des IAEO-Treffens

Zur Diskussion steht kommende Woche außerdem der Bericht von IAEO-Generaldirektor Mohamed ElBaradei über Libyens Implementierung des Atomwaffensperrvertrages. Weitere Themen der Tagung sind die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit in den Bereichen nukleare Sicherheit und nuklearer Transport sowie Maßnahmen zum Schutz vor nuklearem Terrorismus.

Shirin Ebadi in Wien

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi kommt am Freitag nach Wien. In den fünf Tagen ihres Aufenthalts nimmt sie an Veranstaltungen in Wien und Niederösterreich teil und trifft Politiker. (AP, IRNA, APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.9.2004)

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