Fachstreit um Zeichen Außerirdischer

17. September 2004, 19:08
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Forscher bestreiten "New Scientist"-Meldung über Funksignal bei "SETI@home"

Seit knapp sechs Jahren jagen Millionen Computerbesitzer im Rahmen des weltumspannenden Projekts "Suche nach außerirdischer Intelligenz" (SETI@home) nach verschlüsselten Beweisen für die Existenz der Extraterrestrischen. Das Wissenschaftsmagazin New Scientist berichtet nun über eine möglicherweise bahnbrechende SETI-Entdeckung. Demnach wurde ein mysteriöses Funksignal mit Kodenamen "SHGbo2+14a" aufgefangen. Sein Ursprung liege irgendwo zwischen den Sternbildern der Fische und des Widders.

Noch beweist allerdings nichts, dass das bei zwei Gelegenheiten aufgeschnappte Signal die Visitenkarte eines außerirdischen Lebewesens ist. Zwischen Billionen Daten, die über die Bildschirme der Experten flimmern, könne das "SHGbo2+14a" allenfalls als Hinweis auf eine möglicherweise ausstrahlende Instanz bewertet werden, wie SETI-Forscher Seth Shostak betont.

Vorläufig sei das Signal nicht einmal in die Kategorie "viel versprechend" eingeordnet worden. Der New Scientist sei "in ein klebriges Fass der Übertreibungen hineingeraten", ärgert sich Shostak.

Die SETI-Forschungen haben also bisher ebenso wenig Verwertbares gebracht wie zum Beispiel das Forschungsprojekt "Phoenix", das seit zehn Jahren nach Funksignalen von 800 relativ nahe gelegenen Sternen horcht.

Für grundsätzliche Kritiker ist der Glaube an Außerirdische eine fixe Idee des Menschen, der nicht allein auf der Welt sein will und sich deswegen Götter, Dämonen und Extraterrestrische schuf. Einige Experten halten zumindest die Suche nach Funksignalen für den völlig falschen Ansatz.

Um sich auf diese Weise bemerkbar zu machen, sei ein unverhältnismäßig großer Energieaufwand erforderlich, meint etwa Woodruff Sullivan von der Universität des US-Bundesstaates Washington. Seiner Ansicht nach wären Extraterrestrische stattdessen gut beraten, Sonden ins All zu schießen - als eine Art "Flaschenpost". (AFP/Richard Ingham /DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2004)

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