Jemaah Islamiyah bekennt sich zu Anschlag auf australische Botschaft

13. September 2004, 10:49
15 Postings

Polizei geht von Selbstmordattentat aus - Australien weist Forderung nach Rückzug aus dem Irak zurück

Australien bekräftigt nach Anschlag in Jakarta Irak-Engagement - TM Ministerpräsident Howard warnt vor weiteren Terrorakten - Ermittler gehen von Selbstmordattentat aus

Jakarta/Sydney/Canberra/Kairo - Nach dem Anschlag auf seine Botschaft in Indonesien hat Australien am Freitag sein Irak-Engagement bekräftigt. Zuvor war auf einer arabischen Website ein angebliches Bekennerschreiben der radikalislamischen Gruppe Jemaah Islamiyah (JI) aufgetaucht, in dem verlangt wird, dass Australien seine rund 850 Soldaten aus dem Irak abzieht. Andernfalls gebe es weitere Anschläge.

Australiens Ministerpräsident John Howard lehnte eine Erfüllung der Forderung ab und äußerte Zweifel an der Authentizität der Erklärung. JI hatte sich bisher noch nie zu Attentaten bekannt. Bei der Explosion in Jakarta waren am Donnerstag neun Menschen getötet und 182 weitere verletzt worden.

"Der Tag, an dem Australien zulässt, dass Entscheidungen wie diese von den Bedrohungen des Terrorismus bestimmt werden, ist der Tag, an dem Australien die Kontrolle über seine Zukunft verliert," sagte Howard gegenüber einem Radiosender.

Warnung vor weiteren Anschlägen

Der Ministerpräsident warnte zudem vor weiteren Terroranschlägen, wenngleich dem Geheimdienst keine spezifischen Informationen dazu vorlägen. Die indonesische Polizei vermutet drei Selbstmordattentäter hinter dem Anschlag auf die Botschaft.

Überwachungskamera zeigt Spengstoff-LKW

Die Untersuchung der Körperteile dreier bisher nicht identifizierter Leichen solle klären, ob sie einem Selbstmordkommando angehörten, sagte ein Polizeisprecher. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, dass der mit Sprengstoff beladene Daihatsu-LKW Sekunden, nachdem er vor dem Botschaftsgebäude stehen blieb, explodiert sei.

Polizei betreitet Warnung

Nach Angaben der australischen Regierung war am Donnerstag etwa 45 Minuten vor dem Selbstmordanschlag auf die Botschaft eine Warnung per SMS bei der indonesischen Polizei eingegangen.

Darin sei die Freilassung von Abu Bakar Bashir gefordert worden, der als geistliches Oberhaupt der Jemaah Islamiah gilt und sich in Jakarta in Haft befindet. Ein Sprecher der indonesischen Polizei sagte hingegen, es habe keine derartige Warnung gegeben.

Bashir selbst verurteilte den Anschlag scharf. "Eine solche Tat ist kein Weg, um für den Erhalt der Sharia zu kämpfen", teilte er der Tageszeitung "Indo Pos" telefonisch mit.

Die Echtheit des der Jemaah Islamiyah zugeordneten Bekennerschreibens konnte zunächst nicht geklärt werden. Durch die Ermittlungen verdichteten sich jedoch Hinweise, dass die ausschließlich in Südostasien aktive Jemaah Islamiyah tatsächlich hinter dem Anschlag stecken könnte.

Hinweise auf Bali-Bomber

Erste Untersuchungen der Bombenreste zeigten deutliche Ähnlichkeiten mit den Anschlägen auf das Marriott-Hotel in Jakarta vor einem Jahr und auf Bali vor zwei Jahren, zitierten australische Medien Polizeichef Mick Keelty. Beide Taten werden der Gruppe zugeschrieben. Auf Bali waren 202 Menschen getötet worden, bei dem Anschlag auf das Hotel in Jakarta 13.

Opposition will Abzug

ustralien unterstützt den von den USA und Großbritannien geführten Krieg im Irak mit Truppen. Ihre Stationierung in dem Golfstaat ist auch ein Thema im derzeitigen australischen Wahlkampf. Während die Regierung die Soldaten im Irak belassen will, verspricht die Opposition einen Abzug noch vor Weihnachten. Die Wahlen finden am 9. Oktober statt. Aus Respekt vor den Opfern des Anschlags wurde der Wahlkampf vorübergehend ausgesetzt. (APA/Reuters/dpa/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bilder einer Überwachungskamera zeigen den spengstoffbeladenen LKW, der vor der Absperrung detonierte.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Bombenbauer Azahari Husin.

Share if you care.