"Zeit"-Herausgeber erleidet Niederlage in Prozess um Friedman

21. September 2004, 12:17
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Naumann muss 9000 Euro Strafe zahlen

"Zeit"-Herausgeber Michael Naumann hat im Beleidigungsverfahren um den TV-Moderator und früheren Vizevorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland Michel Friedman eine schwere Niederlage erlitten. Wie die Berliner Justiz am Donnerstag in Berlin mitteilte, ist die gegen den früheren Kulturstaatsminister verhängte Geldstrafe in Höhe von 9000 Euro rechtskräftig, nachdem die von Naumann beantragte Revision vom Kammergericht Berlin als "offensichtlich unbegründet" verworfen wurde.

Naumann hatte im Juni 2003 in einer Talkshow gesagt, die Ermittlungen wegen Drogenmissbrauchs gegen Friedman würden von einem "durchgeknallten Staatsanwalt" geführt. Dadurch fühlte sich der Berliner Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge beleidigt und zeigte Naumann an. Mit der jetzigen Entscheidung des Kammergerichts ist das Urteil des Amtsgerichts Tiergarten vom Jänner vollstreckbar. Allerdings kündigten die Anwälte des "Zeit"-Herausgebers Verfassungsbeschwerde an. Einen entsprechenden Auftrag habe Naumann erteilt, sagte sein Anwalt Nicolas Becker dem Berliner "Tagesspiegel" vom Mittwoch.

Theoretisch könnte Naumann parallel beantragen, dass das Urteil des Amtsgerichts vorerst nicht vollstreckt wird. Eine Verfassungsbeschwerde hätte aber keine aufschiebende Wirkung. Friedman war von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, im Beisein von Prostituierten Kokain konsumiert zu haben. Er ließ daraufhin seinen Job als TV-Moderator ruhen. Im Juli 2003 akzeptierte er einen Strafbefehl und gab sein Amt als Vizevorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland auf. Er ist inzwischen wieder als TV-Moderator tätig. (APA)

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