Ein Loch als Mahnmahl

12. September 2004, 18:10
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Vor dem Grand Prix von Monza ist durch den Un­fall von Michael Schu­macher die Diskussion um die Sicherheit wieder voll entbrannt

Monza - Das Loch in der Mauer von Monza sieht aus wie ein Mahnmal. Obwohl die Einschlagstelle ausgangs der Boxengasse nach Michael Schumachers Testunfall vor dem Großen Preis von Monza am Sonntag (14:00 Uhr/live ORF1) fein säuberlich mit weißer Farbe überpinselt worden ist, haben die Handwerker nicht alle Spuren verwischen können. Bremsstreifen weisen den Weg zu jener Stelle, an der der Rekordweltmeister am vergangenen Donnerstag im Training nach einem Reifenplatzer bei Tempo 345 km/h verunglückt und wie durch ein Wunder unverletzt geblieben ist.

Sicherheitsdiskussion entbrannt

Das Einschlagloch in der Begrenzungsmauer dokumentiert, welche Kräfte in der Formel 1 am Werke sind. Trotzdem denkt Schumacher kaum über die Gefahren nach. "Dass ich beim Testen dort diesen Unfall hatte, ist für mich komplett abgehakt. Denn Rennsport bringt nun mal Gefahren mit sich, die sind aber zum Glück nicht immer kritisch." Doch spätestens seit dem Trainings-Crash des Ausnahmepiloten ist die Sicherheitsdiskussion in der Formel 1 wieder voll entbrannt. Der Chef des Motorsport-Weltverbands FIA, Max Mosley, will die Königsklasse angesichts der Unfallserie der vergangenen Wochen einbremsen und hat bereits entsprechende Reglement-Vorschläge auf den Tisch gelegt.

Denn einen Tag nach dem siebenmaligen Weltmeister Schumacher verunglückte Toyota-Pilot Olivier Panis, der in der nächsten Saison bei den Japanern als Ersatzmann für Neuzugang Ralf Schumacher ins zweite Glied rücken wird, nach einem Reifenproblem ebenfalls in Monza. Zuletzt beim Rennen in Spa-Francorchamps erwischte es BAR-Honda-Fahrer Jenson Button (GBR). In Hockenheim war Vize-Weltmeister Kimi Räikkönen (FIN) im McLaren-Mercedes im Glück.

Wissen um die Gefahr

Zuvor in Indianapolis krachte neben Renault-Pilot Fernando Alonso auch Ralf Schumacher mit hoher Geschwindigkeit in die Mauer. Bei dem Horror-Crash brach er sich zwei Brustwirbel. "Das hätte auch anders ausgehen können", gibt der Noch-Williams-BMW-Mann zu. Erst in Shanghai in zwei Wochen wird der 29-Jährige wieder einen Grand Prix bestreiten können. "Wir wissen, dass es gefährlich ist", sagt Ralf Schumacher, will aber nicht auf das Vollgas-Abenteuer verzichten. Im Vorjahr war er wie sein älterer Bruder bei Monza-Tests verunglückt.

Seit den tödlichen Unfällen von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger beim Großen Preis von San Marino vor zehn Jahren in Imola verunglückte kein Formel-1-Pilot mehr. Vor allem die Autos und auch die Strecken sind viel sicherer geworden, nun sollen sie nach Mosleys Willen auch wieder langsamer werden. Die FIA will auch Materialien verbieten, die bei einem Unfall zu messerscharfen Teilen zersplittern. "Es war sehr unangenehm anzuschauen, wie viele Reifenplatzer es gab. Ich hoffe, dass das Thema im Griff ist, denn das ist sehr gefährlich", sagt Ralf Schumacher.(APA)

  • Michael Schumacher nach seinem glimpflich verlaufenem Unfall in Monza.

    Michael Schumacher nach seinem glimpflich verlaufenem Unfall in Monza.

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