Stammzell-Hoffnung noch verfrüht

9. September 2004, 13:10
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Die Wissenschaft steht erst am Beginn der Forschung

Wien - Traum und Wirklichkeit: Die Hoffnung auf Gewebe-Reparaturmaterial aus Stammzellen für die Anwendung an Kranken ist verfrüht. Außer in ein paar Tierversuchen ist die künstliche Entwicklung von adulten und spezialisierten Zellen noch nicht geglückt. Das Anlegen von Nabelschnurblut-Reserven für Kinder ist derzeit nicht sinnvoll, erklärten Experten im Rahmen des internationalen Transplantationskongress in Wien.

Der britische Wissenschafter Dr. Malcolm Alison vom Imperial College in London berichtet von einer Diskussion, ob embryonale oder adulte Stammzellen verwendet werden sollen. Es scheint so zu sein, dass Stammzellen gewonnen werden könnten, verändert und den Patienten wieder zurück geben werden könnten, um versagende Organe zu reparieren.

Reparatur von Herzmuskelzellen

Auch bei der Herz-Reparatur sollen Stammzellen eingesetzt werden. Ein Viertel der Menschen in der westlichen Welt stirbt laut Bericht von Univ.-Prof. Dr. Günther Laufer der Innsbrucker Universitätsklink an einem Herzinfarkt. Dabei gehe ein Teil des Herzmuskels zu Grunde. Eine Narbe entstehe, die sich nicht kontrahieren könne. Sei diese Narbe groß, entstehe eine chronische Herzschwäche. Ziel sei, dieses Gewebe zu ersetzen. Unglücklicherweise gehöre das Herz zu jenen Organen, in denen es kaum Stammzellen gäbe, die sich teilen und die kaputten ersetzen.

Hier sollen gezüchtete Muskelzellen aus Knochenmarkzellen für Ersatz sorgen. Doch die Ergebnisse seien bisher nicht besonders überwältigend gewesen. Satellitenzellen, welche normale Muskeln umgeben, sollen kultiviert und dann in das Herz eingebracht werden (700.000 bis eine Million Zellen pro Kilogramm Körpergewicht). Das Problem liege aber darin, dass nur zehn Prozent der ins Herz injizierten Zellen überleben. Außerdem sei unklar, ob sie zu einer Kontraktion im Stande sind.

Behandlung bei Leberschäden

Zur Behandlung schwerer Leberschäden ist "neues Material" aus Stammzellen ebenfalls wünschenswert. Doch auch hier ist noch nicht einmal der Nachweis gelungen, dass das in einem ausreichenden Maß auch beim Menschen möglich ist. (APA, red)

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