Ohne Finanzplanung unterwegs

20. September 2004, 11:09
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BA-CA-Umfrage: Ein Drittel der Unternehmen glaubt, ohne fixe Unternehmensplanung auszukommen

Wien - Rund ein Drittel der österreichischen Unternehmen ist ohne Finanzplanung unterwegs. Besonders größere Kleinbetriebe glauben, ohne fixe Unternehmensplanung auszukommen. Der Anteil der Nicht-Planer beträgt bei diesen Firmen fast 50 Prozent. "Wer nicht plant, bewegt sich im betriebswirtschaftlichen Blindflug vorwärts, oder in Wahrheit zurück", sagte Regina Prehofer, im Vorstand der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) für Corporates und Zentral- und Osteuropa verantwortlich, bei einem Pressegespräch am Donnerstag in Wien.

"Planung wird aus unserer Sicht ganz entscheidend wichtiger, gerade bei Kleinbetrieben", so Prehofer weiter. Planung sei die Voraussetzung für Expansion und Unternehmenserfolg. Der Markt belohne auch jene Unternehmen, die planen, etwa in dem sie ihr Rating verbessern und dadurch ihre Kreditkosten senken. Finanzplanung mache die Unternehmen besonders Basel II-fit, Kapitalmarktprodukte als Alternative zur Kreditfinanzierung würden ebenfalls Planung verlangen.

Integrierte Planung

Optimal wäre für Prehofer deshalb eine integrierte Ergebnis-, Bilanz- und Finanzplanung, wie sie der bankeigene Integrated Corporate Finance (ICF)-Ansatz leiste. Um den Kunden den Einstieg in die integrierte Planung zu erleichtern, hat die BA-CA in diesem Jahr 25 Planungsworkshops abgehalten. 30 bis 80 sollen heuer laut Martin Frank, BA-CA-Ressortleiter Unternehmensfinanzierung, noch folgen. Im nächsten Jahr sollen es zwischen 200 und 300 werden.

"Sechs von zehn Unternehmen arbeiten mit einer schriftlichen Unternehmensstrategie", so Martin Mayr von der BA-CA-Konzernmarktforschung zu den Ergebnissen der im Auftrag der BA-CA vom Marktforschungsinstitut Brainstudio im Mai unter 500 größere Klein- und Mittelbetriebe sowie Konzerne mit einem Jahresumsatz ab 3 Mio. Euro durchgeführten Umfrage. 21 Prozent haben demnach eine Unternehmensstrategie, aber nicht schriftlich definiert, weitere 21 Prozent arbeiten überhaupt ohne Strategie nach dem Motto: "Das Geschäft hat der Unternehmer im Gespür". Wo es keine Strategie gebe, gebe es meistens auch keinen Planungsprozess, so Mayr.

Planungstools fehlen

Planungsverweigerer gehen primär davon aus, dass eine Planung keine Verbesserung für das Unternehmen bringen würde. Ein Viertel der Nicht-Planer gibt aber an, dass sie bereits darüber nachgedacht hätten, aber den richtigen Einstieg nicht finden, oder dass ihnen die richtigen Planungstools fehlten.

Unter Unternehmensplanung verstehen die befragten Geschäftsführer und Finanzverantwortlichen vor allem Finanz- und Kostenplanung (50 Prozent) und Umsatz- und Personalplanung (44 bzw. 39 Prozent). 25 Prozent planten Absatz und Marketing, Investitionsplanung betreiben 23 Prozent. Expansions- oder Wachstumsplanung führen nur 2 Prozent. Drei von vier Unternehmen prüfen monatlich, ob sie im Plan liegen. Mehr als ein Viertel weiß dagegen über Monate nicht, ob sie "im Plan" liegen.

Steuerberater als externen Berater

Über 50 Prozent der Kleinbetriebe verlassen sich bei der Unternehmensplanung auf ihren Steuerberater. Insgesamt ziehen 39 Prozent aller Unternehmen den Steuerberater als externen Berater hinzu. Die Hausbank wird von 14 Prozent, der Unternehmensberater von 13 Prozent mit herangezogen. 51 Prozent ziehen keine externe Berater hinzu, planen nur im Haus.

Hauptziele der Planungstätigkeit sind die Erhöhung der Umsätze (85 Prozent), Verbesserung der Finanzstruktur (62 Prozent), Erhöhung der Eigenkapitalquote (61 Prozent) und - in den letzten Jahren deutlich gestiegen - die Verbesserung des Bankratings (50 Prozent). Die meisten Unternehmen haben nicht vor, kurzfristig mehr zu planen. "Viele Unternehmen scheinen die Verbindung zwischen Unternehmensfinanzierung und Finanzplanung noch nicht erkannt zu haben", so Mayr. (APA)

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glauben, ohne fixe Unternehmensplanung auszukommen
    foto: photodisc

    Besonders größere Kleinbetriebe glauben, ohne fixe Unternehmensplanung auszukommen

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