Weniger Unterricht an Pflichtschulen

17. September 2004, 12:10
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Eltern klagen: 120.000 Stunden eingespart

Wien - Noch einmal 14.000 Wochenstunden eingespart: Diesen Sparerfolg beklagten am Mittwoch Elternvertreter in Wien. Insgesamt wurden damit seit 2000 an den Pflichtschulen 120.000 Unterrichtsstunden pro Woche eingespart, das sind 5000 Lehrerposten und das bringe der Regierung 220 Millionen Minderausgaben, errechneten die Vertreter des Dachverbandes der Elternvereine an den Pflichtschulen.

Auch wenn es weniger Erstklässler gibt, bedeute dies:

  • Bis zu 20 Prozent mehr Kinder in einzelnen Klassen, Zusammenlegung von 3. und 4. Klasse in Volksschulen;
  • das Frühwarnsystem soll Eltern zwar früher alarmieren, Mittel für Förderkurse sind aber rar;
  • regional sollen in den Hauptschulen nur noch zwei statt drei Leistungsgruppen angeboten werden;
  • Teilungsziffern bei Sprachen und Sport (eine Klasse wird zu zwei Unterrichtsgruppen) würden ignoriert;
  • weniger Zeit für Integration und interkulturelles Lernen;
  • in ländlichen Regionen sind zehn Prozent der Kleinschulen von Auflösung bedroht. Die Eltern verlangen ein Ende der Sparmaßnahmen, die Pflichtschulen könnten keine weiteren verkraften und sie berufen sich dabei auf Aussagen von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und den Landeshauptleuten. Die Eltern fordern einen österreichischen Bildungsplan, die SPÖ unterstützt sie in dieser Frage.

Die Unterrichtsqualität sinkt offenbar, folgt man einer Umfrage der Christgewerkschafter unter Lehrern an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen. Danach sind 50 Prozent der Pädagogen mit den Mathematikkenntnissen ihrer Schüler unzufrieden, 1991 beklagten sich nur 36 Prozent. (DER STANDARD-Printausgabe, 9.9.2004)

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