Bullying in der Schule

15. September 2004, 12:48
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Bildungspsychologen stellen Unterschiede in verschiedenen Klassen fest - restriktive Erziehung beeinflusst Gruppendynamik negativ

Wien - Der Schulbeginn ist üblicherweise für die wenigsten Schüler Anlass zur großen Freude. Für manche ist die Rückkehr in die Klasse aber regelrecht ein Gräuel: Bullying-Opfer, die von Mitschülern über einen längeren Zeitraum psychisch oder physisch gequält werden. Doch das muss nicht so sein. Nicht in jeder Klasse gibt es Aggressionen dieser Art, wie eine aktuelle Studie von Bildungspsychologen der Uni Wien zeigt. Demnach gibt es enorme Unterschiede zwischen Schulklassen. Manche haben viele Bullying-Täter und -Opfer, andere gar keine.

Bisher ging man primär davon aus, dass Bullying ein Phänomen ist, das in allen Schulklassen auftritt - "ein Befund, den wir mit unserer Studie hinterfragen wollten", wie Christiane Spiel vom Arbeitsbereich Bildungspsychologie und Evaluation am Institut für Psychologie der Universität Wien erklärte. Sie hat gemeinsam mit ihren Kolleginnen Moira Atria und Dagmar Strohmeier die Situation in 46 österreichischen Schulklassen (18 Volks- und 28 Hauptschulklassen) untersucht.

Viktimisierung zwischen null und zehn

Es zeigte sich, dass das "Ausmaß an Viktimisierung", wie die Wissenschafter die Zahl der Opfer pro Schulklasse bezeichnen, in der 4. Klasse Volksschule zwischen null und zehn Opfern pro Schulklasse schwankt, in der Hauptschule zwischen null und sechs Opfern. Auf der anderen Seite liegt die Zahl der Bullying-Täter in der Volksschule zwischen null und zwölf pro Klasse und in der Hauptschule zwischen null und fünf Tätern. "Es gab Klassen, die weder Opfer noch Täter aufwiesen, aber auch solche mit sehr hohen Bullying-Raten, beispielsweise eine Klasse mit zwölf Tätern und neun Opfern - und das bei insgesamt 22 Schülern", erklärte Spiel.

Für die Wissenschafter belegen die Studienergebnisse eindeutig, dass es die "typische Schulklasse" nicht gibt. Interessant für sie wäre es nun zu untersuchen, was die einzelnen Klassen unterscheidet - also was innerhalb besonders aggressiver und was in besonders friedlichen Klassen passiert. Dabei wird auch der Einfluss der Lehrpersonen und das Schulklima zu analysieren sein.

Restriktivität der Lehrer maßgeblich

Bisherige Befunde zeigten, dass hohe Restriktivität, Unbeständigkeit im Verhalten von Lehrern, die Kategorisierung als "Versager", geringe Akzeptanz durch Lehrern sowie ein hohes Ausmaß an Konkurrenz und Wettbewerb in der Klasse förderlich für Gewalthandlungen sind. Wie jedoch genau die Wege zu einer "friedlichen" bzw. einer "gewalttätigen" Klasse verlaufen, dazu liegen derzeit noch keine Befunde vor.

Von Bedeutung ist der Befund auch für Interventionen. "Zahlreiche Programme werden zwar auf Klassenebene durchgeführt, doch nur wenige davon richten sich an die Schulklasse als soziale Einheit. Die Intervention findet zwar in der Klasse statt, die Veränderung wird aber beim einzelnen Schüler angestrebt", so Spiel. Maßnahmen, die sich explizit an die Schulklasse als Einheit wenden, gebe es dagegen viel seltener - was sich angesichts der neuen Ergebnisse bald ändern könnte. (APA)

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    Bulling in der Schule: Restriktive Erziehung der LehrerInnen beeinflusst die Gruppendynamik entscheidend.

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