Zellen heilen Typ 1-Diabetes

9. September 2004, 11:50
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Die Inselzell-Transplantation zeigt erste Erfolge

Wien - Könnte Typ1-Diabetes, bei dem die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse (Inselzellen des Pankreas) durch immunologische Prozesse zu Grunde gehen, heilbar werden? Erste Erfolge mit Inselzell-Transplantationen sprechen dafür. Doch entscheidend dafür wird auch hier die Überwindung der Abstoßungsreaktion durch neue immunologische Strategien sein, erklärte aus Anlass des XX. Internationalen Kongresses der Transplantation Society im Austria Center Vienna der US-Spezialist Univ.-Prof. Dr. Camillo Ricordi (Diabetes-Forschungszentrum der Universitätsklinik in Miama, Florida/USA).

Die Experten hoffen, dass neue immuntherapeutische Strategien es schon bald ermöglichen, dass die Empfänger von Inselzellen von Spendern eine Toleranz gegenüber den Inselzellen entwickeln können und dass sie damit vor den Langzeit-Konsequenzen der Zuckerkrankheit geschützt werden können", sagte Ricordi.

Die ersten Versuche der Übertragung von Inselzellen, welche die Insulinproduktion bei Diabetikern wieder in Gang bringen sollte, erfolgte schon 1893 durch den britischen Chirurgen Watson Williams. Ein 15 Jahre alter Bursch mit Diabetes im Endstadium bekam das Pankreas von einem Schaf. Der Bub starb wenige Tage später. Bei dem Eingriff - lange vor der Etablierung der Insulintherapie in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts - hatte es sich zusätzlich noch um eine "Xenotransplantation" gehandelt.

Schritte für die Realisierung

Mittlerweile sind die entscheidenden Schritte für die Realisierung solcher Behandlungen geklärt:

  • Etabliert sind die Techniken der Isolation von Inselzellen aus Spenderbauchspeicheldrüsen.

  • Die Inselzellen werden in ein Blutgefäß der Leber (Pfortader) des Empfängers infundiert und siedeln sich in die Leber an, wo sie Insulin produzieren sollen.

  • Weiterhin notwendig ist eine Bekämpfung der Abstoßungsreaktion. Hier konnte eine Forschergruppe aus Edmonton zeigen, dass man durch eine Unterdrückung der Abstoßung mit dem Medikament Rapamycin einen Zustand erreichen kann, bei dem die Empfänger nicht mehr auf Insulin per Injektion angewiesen sind.

  • Allerdings ist das Langzeit-Funktionieren der Inszelzellen noch längst nicht gewährleistet. Hier gilt es einfach noch immunologische Hürden (wie auch in der Transplantation von ganzen Organen) zu überwinden.

    Das ganze sei ein "Work in Progress". Die Erfolge in der bisherigen Behandlung von Patienten hätten Hoffnungen aufkeimen lassen, dass es zumindest nicht unmöglich sein könnte, den Fortschritt auf diesem Gebiet noch einmal zu beschleunigen.

    Doch selbst wenn die Probleme bei der Transplantation von Inselzellen von menschlichen Spendern überwunden werden können, gibt es eine weitere Hürde: Es könnte zu einer Knappheit an geeigneten Spenderorganen kommen.

    Hier könnten Stammzell- und/oder Xenotransplantations-Strategien zum Tragen kommen: Aus Stammzellen könnten Insulin-produzierende Inselzellen gezüchtet werden - und immerhin produzieren Schweine und auch Rinder Insulin, das auch beim Menschen wirkt. (APA)

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