Shalom: Ausweisung Arafats rückt näher

10. September 2004, 15:43
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Tote und Verletzte bei israelischem Vorstoß im Gaza - Bombe auf moslemischem Friedhof entschärft

Jerusalem - Eine Ausweisung von Palästinenserpräsident Yasser Arafat ist nach den Worten des israelischen Außenministers Silvan Shalom wahrscheinlicher denn je.

"Der Tag, an dem Arafat verbannt wird, ist näher denn je", sagte Shalom nach Medienberichten vom Donnerstag vor Mitgliedern seiner Likud-Partei. Bereits zu Wochenbeginn hatte Verteidigungsminister Shaul Mofaz betont, Israel strebe weiterhin eine Ausweisung Arafats an.

Die israelische Zeitung "Yediot Ahronot" zitierte in ihrer Online-Ausgabe Regierungskreise in Jerusalem mit der Einschätzung, der Tag der Ausweisung werde kommen. Es gebe jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei konkrete Pläne. "Wenn die Umstände sich ändern, wird die Sache neu bewertet", sagte ein namentlich nicht genannter Regierungsvertreter dem Blatt.

Vor einem Jahr hatte die israelische Regierung grundsätzlich die Ausweisung Arafats beschlossen. In der Begründung des Beschlusses hieß es, der Palästinenserführer stelle ein absolutes Hindernis für eine Versöhnung Israels und der Palästinenser dar.

Israel werde den angemessenen Zeitpunkt sowie den Weg einer Verbannung festlegen, hieß es damals. Arafat ist seit Dezember 2001 fast ohne Unterbrechung in seinem Hauptquartier in Ramallah isoliert.

Tote und Verletzte bei israelischem Vorstoß im Gaza

Bei einem israelischen Panzervorstoß auf das Palästinenser-Flüchtlingslager Dschabalja im Gaza-Streifen sind am Donnerstag fünf Palästinenser getötet worden, darunter ein neunjähriger Junge.

Im Westjordanland wurde ein 18-jähriger Palästinenser Augenzeugen zufolge von einem Militärjeep überrollt und getötet.

Nach Angaben von Ärzten wurden bei der seit Mittwoch laufenden Militäroperation im Gaza-Streifen mindestens 35 Personen verletzt, darunter auch Zivilisten. Dschabalja, das mit rund 100.000 Bewohnern größte Lager im Gaza-Streifen, gilt als eine Hochburg palästinensischer Extremisten.

In israelischen Militärkreisen hieß es, die Soldaten hätten lediglich auf bewaffnete Angreifer geschossen. Israels Vorstoß, wenige Tage nach den Selbstmord-Anschlägen der Hamas in Südisrael mit 16 Toten, wird offiziell von der Armee damit begründet, palästinensische Widerstandsnester ausschalten zu müssen.

Zu dem Vorfall im Westjordanland erklärte das israelische Militär, die Besatzung des Jeeps sei im Flüchtlingslager Al- Amari von palästinensischen Steinewerfern attackiert worden. Die Soldaten hätten in Todesangst die Flucht ergriffen. Dabei sei es zu dem Unglück gekommen.

Bombe auf moslemischem Friedhof entschärft

Zu einem möglicherweise folgenschweren Zwischenfall kam es in Bethlehem, als israelische Soldaten auf einem moslemischen Friedhof einen versteckten Sprengsatz unschädlich machten. Nach israelischen Angaben hatten Extremisten die Bombe in einem leeren Grab deponiert. Bei der Sprengung wurde nach palästinensischen Angaben ein Nachbargrab beschädigt, so dass Angehörige die bei der Detonation durch die Luft geschleuderten Überreste des Toten umbetten mussten.

Die für den Friedhof zuständige moslemische Geistlichkeit warf der israelischen Armee Schändung des Friedhofs und Störung der Totenruhe vor. Ein Sprecher der Armee widersprach: "Wir haben nur eine Bombe entschärft".

Der Friedhof, den nach Aussage des Moslem-Geistlichen "ein israelischer Soldat noch nicht einmal betreten darf", liegt in der Nähe des von gläubigen Juden verehrten Grabes der biblischen Mutter Josephs und Benjamins, Rahel. Dies wird wiederum von den Moslems bestritten. Auf dem umstrittenen Gelände sei die von ihnen verehrte historische Moschee Bilal Al-Rabah, zu der ihnen der Zugang seit 1967 von Israel verwehrt werde. (Reuters/APA)

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