Cobra-Chef: Sturmangriff war "Notzugriff"

9. September 2004, 13:27
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Neue Terrorbedrohungen erfordern Vernetzung der Sicherheitspolitik

Wiener Neustadt - Der Chef der österreichischen Spezialeinheit Cobra, Bernhard Treibenreif, ist der Ansicht, dass der russische Sturmangriff auf die Schule in Nordossetien in der vergangenen Woche keine geplante Aktion war, sondern sich aus der Situation ergebe habe. "Es war ein Notzugriff", sagte Treibenreif am Mittwoch am Rande einer Gefechtsvorführung auf dem Gelände des Einsatzkommandos zur APA.

Der Cobra-Chef begründete dies unter anderem damit, dass zum Zeitpunkt des Einschreitens einige Einsatzkräfte bereits abgezogen waren. Die Geiselnahme in Beslan durch pro-tschetschenische Terroristen hatte mit über 300 Toten blutig geendet.

Sensible Philosophie der Cobra

Die Cobra verfolge eine "sensible Philosophie", betonte Treibenreif im Rahmen der Vorführung seiner Leute. Feine taktische Arbeit mit Finten und Überraschungen, und überdies möglichst geringe Schadensverursachung, lautet die Devise. Allerdings werde in neuen EU-Ländern wie Polen oder Litauen vor dem Bedrohungsbild militärisch gut ausgebildeter Verbrecher gewarnt. Auf ein Szenario wie Beslan angesprochen, meinte der Cobra-Chef, in einem solchen Fall wäre angesichts der großen Gefahr für die Geiseln alles unternommen worden, zu "eine Zugriffshandlung zu verhindern".

Szenarios in der EU

Auf europäischer Ebene bereiten sich die Spezialeinheiten auf die neuen Bedrohungen vor. So sollen am 28. und 29. September die Kommandanten der nationalen Sondereinheiten zu Beratungen zusammentreffen. Auf Initiative Ungarns, Tschechiens, der Slowakei und Österreichs sei die organisierte Kriminalität gegen AKWs thematisiert worden. In Frankfurt soll demnächst das Szenario einer Geiselnahme in der Oper aufbereitet werden. Der Austausch von Expertise zwischen den EU-Staaten sei absolut üblich, sagte Treibenreif. So verfügten die Deutschen etwa über große Expertise für den Fall von Flugzeug-Stürmungen.

Vernetzung der Sicherheitspolitik notwendig

Brigadier Gustav Gustenau aus dem Büro für Sicherheitspolitik des Verteidigungsministeriums unterstrich die "hochgradige Vernetzung der Sicherheitspolitik" und die sich daraus ergebenden Ressort übergreifenden Aktivitäten. Cobra-Chef Treibenreif stimmte dem vollinhaltlich zu. Ereignisse wie in Nordossetien machten dies notwendig, betonte er. Er verwies auf die Kooperationen zwischen Innen- und Verteidigungsministerium, aber auch mit dem Außenministerium (Schutz von Botschaften, Bewachung des früheren Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch). (APA)

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