Greenspan: US-Konjunktur hat wieder Fahrt aufgenommen

20. September 2004, 16:47
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Der US-Notenbank-Chef sieht keine Auswirkungen des Ölpreises auf Inflation und Konjunktur, dämpft allerdings allzu großen Optimismus

Washington - Die US-Konjunktur hat nach den Worten des Präsidenten der US-Notenbank (Federal Reserve Board - Fed) Alan Greenspan ihre jüngste Schwächephase überwunden und zuletzt wieder an Schwung gewonnen.

Weiteres Wachstum der US-Wirtschaft Ende Juli und im August konstatierte am Mittwoch auch die US-Notenbank in ihrem so genannten Beige Book. Zugleich dämpfte die Fed in dem Bericht jedoch den allgemeinen Optimismus mit dem Hinweis, in mehreren Regionen zeige sich jedoch ein verlangsamtes Wachstum.

Daten weisen auf Aufschwung hin

"Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass das Wachstum insgesamt wieder Fahrt aufgenommen hat", sagte Greenspan am Mittwoch bei der rund zweieinhalbstündigen Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses in Washington.

Die Verbraucherausgaben und Baubeginne hätten sich im Juli erholt und die Geschäftsinvestitionen hätten ihren Aufwärtstrend beibehalten. Allerdings hätten die Einzelhandelsumsätze im August eher ein gemischtes Bild geliefert, sagte der Notenbankchef.

Ölpreis ohne gravierenden Auswirkungen

Die hohen Ölpreise haben nach Einschätzung Greenspans offenbar keine gravierenden Auswirkungen auf die Inflation gehabt. "Trotz der bis Mitte August gestiegenen Ölpreise haben die Inflation und die Inflationsaussichten in den vergangenen Monaten abgenommen", erklärte Greenspan.

Später sagte er auf Fragen von Abgeordneten, gäbe es diesen Ölpreisanstieg auf Spitzenwerte nicht, würde seine Einschätzung für die weitere Wirtschaftsentwicklung "sehr optimistisch" sein. Analysten sahen in den Äußerungen Greenspans vor allem einen Hinweis darauf, dass die US-Leitzinsen in maßvollem Tempo weiter steigen werden.

"Die Ausführungen des Notenbankchefs signalisieren klar, dass die Zinsen in diesem Monat anziehen werden. Allerdings halten wir an der Auffassung fest, dass ein weiterer Zinsschritt im November noch keineswegs schon eine beschlossene Sache ist", sagte Ian Shepherdson, Chefvolkswirt bei High Frequency Economics.

Weitere Zinssteigerungen erwartet

Die Fed hat den US-Schlüsselzins in diesem Jahr bereits zwei Mal um jeweils 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent erhöht und weitere Anhebungen signalisiert. Mit ihren optimistischen Aussagen über die Entwicklung der US-Konjunktur hat die Fed die Erwartungen an der Wall Street gesteigert, dass die Zinsen auch bei der Entscheidung am 21. September um 25 Basispunkte erhöht werden.

In ihrem Beige Book wies die Notenbank am Mittwoch auf eine gewisse Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in mehreren Regionen hin. Der Rückgang privater Ausgaben spiegele sich in durchwachsenem Geschäft im Einzelhandel wider sowie in einem Rückgang in Teilen des Immobilienmarkts.

Das Beige Book dient dem für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) als wichtige Grundlage für seine Zinsentscheidungen. Der Fed zufolge ist das aktuelle Zinsniveau förderlich für das Wirtschaftswachstum. Die Währungshüter streben eine neutrale Geldpolitik an, die weder Wachstum behindert noch Inflationseffekte hervorruft. (APA/Reuters)

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