"Lärmfahrer sind hörbarer"

8. September 2004, 21:18
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"Dürflinger spielt Düringer", erstes "Best of"

Oslip - Die Beziehung eines jungen Mannes zu seinem schwarzen, tiefer gelegten GTI ist für ein Kabarettprogramm viel und lange etwas wert. Das Verhältnis betrifft uns alle, auch wenn Roland Düringer alias Robert Dürflinger nach einer Suada motorsportlicher Fachbegriffe zugibt, Desinteresse und Unkenntnis der weiblichen Hörerschaft erkannt zu haben. Deswegen macht er umgehend ein Zugeständnis ans geschlechtsspezifisch andere Fachgebiet und erklärt: "I hob eam frisiert!"

Aus Düringers Erfolgsprogramm Benzinbrüder stammt diese Pointe, die trotz einer "psychosomatischen Sommergrippe" des Darstellers "Robby Dürflinger" (Düringer) dann saß. Dürflinger hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus den Werken seines Idols Roland Düringer ein "Best of" zu machen. Dürflinger spielt Düringer, so gut er kann. Da aber in Wahrheit Düringer Dürflinger spielt, wenn dieser Düringer nachspielt, geht der eine wie der andere Mann mächtig zu sich selbst auf Distanz. In der Cselley-Mühle steht schließlich ein wie aus der Kelly-Family ausgebrochenes Langhaardickerchen (Perücke, Stopfbauch, Sprachfehler), das nach Applaus für seine von ihm selbst stets als unzureichend empfundene Darbietung heischt.

Nach einem reißerischen Anlauf im zweiten Teil, in dem bekannte Hausbauschikanen aus Hinterholzacht und Körperkultwitze aus Superbolic die üblichen Lacher erzeugen, dünnt der Schmäh gen Ende hin aus. Was vielleicht den passionierten Kabarettbesucher stört, den, der dies nicht unbedingt ist, nicht.

Denn es setzt ein schmähloses, aber nicht unlustig ergreifendes Spiel frei, das Düringer im vorgeblichen Trunkenheitszustand (Pausenjause: "zehn Kilo Obst, teilweise gebrannt") zu maßlos peinlichen Aussetzern führt. Da hätte er sich dann recht schlechte Wortwitze wie Bioladen/Bin Laden oder eine Olympiaansprache mit schwachem Racheecho sparen können. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2004)

Von
Margarete Affenzeller
Österreichtour bis Dezember
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