Neuer Fund bestätigt Brutpflegeverhalten bei Dinosauriern

12. September 2004, 11:30
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Überreste eines Psittacosaurus mit seinen 34 Jungen im nordöstlichen China gefunden

London - Ende der 70er Jahre änderte sich das Dinosaurier-Bild gewaltig: Gefundene Gelegereste deuteten auf Brutpflege-Verhalten hin, konträr zu den bis dahin üblichen Vorstellungen herz- und hirnloser Riesenechsen. Die entsprechende Spezies erhielt "folgerichtig" als eine der wenigen Dinosaurier-Arten eine weibliche Endung: Maiasaura (in etwa "Guter-Mutter-Saurier").

Das britische Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtet in seiner jüngsten Ausgabe über einen Fossilienfund aus dem Nordosten Chinas, der in dieselbe Richtung weist. Dabei handelt es sich um eine ausgewachsene Papageienechse (Psittacosaurus) mit 34 Jungen, die auf engstem Raum in einem unterirdischen Bau gefunden wurden. Die Papageienechsen hatten sich vermutlich angesichts einer unmittelbar bevorstehenden Todesdrohung eng aneinander gedrängt.

"Bestechender Beweis"

Für das gemischte amerikanisch-chinesische Forscherteam um David Varricchio von der Montana State Universität liefert dieser paläontologische Fund einen "bestechenden Beweis" für das Brutpflegeverhalten von Dinosauriern. Die Überreste der 35 Papageienechsen wurden in der chinesischen Provinz Liaoning ausgegraben, der bedeutendsten Saurierfundstätte weltweit. Alle Echsen befanden sich in aufrechter Position, als sie ein plötzlicher Tod ereilte. Als Todesursache kommen nach den Annahmen der Wissenschafter eine Gasvergiftung oder ein Vulkanausbruch sowie der Einsturz der Höhle oder eine Überschwemmungskatastrophe in Frage.

Die Papageienechse, die vor 97 bis 119 Millionen Jahren lebte, trägt ihren Namen wegen ihres zahnlosen Hornkiefers, der an den Schnabel von Papageien erinnert. Die pflanzenfressenden Papageienechsen konnten zwischen 80 Zentimeter und zwei Meter lang sowie bis zu 1,2 Meter groß werden. Sie wogen bis zu 80 Kilogramm und konnten sowohl auf allen Vieren laufen als auch eine aufrechte Position einnehmen. (APA/red)

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    foto: der standard
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    Psittacosaurus-Skelett im Naturhistorischen Museum Wien

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