Menschenrechtlerin: "Putin hat Geiselnehmer und Geiseln getötet"

10. September 2004, 17:37
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Tschetschenienkonflikt forderte seit 1994 200.000 Opfer

Hamburg- Die tschetschenische Menschenrechtlerin Libkan Basajewa hat scharfe Kritik an der Strategie des russischen Präsidenten Wladimir Putin bei der Geiselnahme in Beslan geübt. "Es ist Wahnsinn, wie Putin auf die Geiselnahme reagiert hat. Er hat Geiselnehmer und Geiseln getötet", erklärte Basajewa am Mittwoch in Hamburg. Das Vorstandsmitglied der russischen Menschenrechtsorganisation "Memorial", erklärte, sie könne die Trauer der Menschen nachvollziehen. "Wir Tschetschenen erleben täglich ähnliches Leid", erklärte sie.

Nach Angaben von "Memorial" sind seit Anfang des ersten Tschetschenien-Krieges 1994 über 200.000 der rund eine Million Tschetschenen getötet worden. Zudem würden monatlich bis zu 50 Menschen entführt, die man später in Gefängnissen oder tot am Straßenrand wieder finde. Die meisten von ihnen hätten nichts mit dem Krieg zu tun, oft reiche bereits eine kritische Bemerkung.

Das russische Vorgehen in Tschetschenien bezeichnete Basajewa als Völkermord. "Das Militär vollzieht in Tschetschenien einen langsamen Völkermord, so das es die Welt nicht merkt". Um diesen zu verhindern rief sie den russischen Präsidenten zu Verhandlungen auf. "Es wäre positiv zu verhandeln und Kompromisse zu schließen. Wir Tschetschenen sind bereit dazu". (APA/AP)

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