Asfinag dürfte Mautziele verfehlen

17. September 2004, 16:57
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Derzeit doch nur 571 Millionen Euro an Lkw-Mauterlösen erwartet - Beteiligung an Europpass sollte bis Anfang 2005 geklärt sein

Wien - Die Autobahnfinanzierungsgesellschaft Asfinag hat offenbar gute Chancen, die prognostizierten Einnahmen aus der fahrleistungsabhängigen Lkw-Maut in Höhe von 600 Millionen Euro zu verfehlen. Das bekannten Mittwochabend Management und Aufsichtsratspräsident Johann Quendler ein. Sie stellten an Erlösen einmal mehr "nur" 571 Mio. Euro in Aussicht.

Bei gutem Wind (und eben solchem Herbstwetter) könnten es freilich mehr werden. "Zielgröße ist 571 plus x", meinte Asfinag-Chef Walter Hecke. Die fehlenden 30 Millionen seien "nur" drei Prozent des früher geschätzten Gesamterlöses, der ohnehin sehr präzise getroffen wurde.

Fahrverbote als Hoffnung

Hoffnung, das im STANDARD-Interview im Juli bekräftigte Ziel zu erreichen, gäben auch die streckenweise Fahrverbote zur Eindämmung der Mautflucht auf Bundesstraßen, die ab September voll greifen würden und die unverändert hohe Erfassungsquote von 99,4 Prozent. Inklusive Sondermauten (150 Mio. Euro) sollte die Asfinag 2004 bei Fahrzeugen über 3,5 Tonnen 721 Mio. Euro einnehmen, mit Pkw und Kfz unter 3,5 t 402 Mio. Euro. Ergibt Gesamterlöse von 1,123 Mrd. Euro.

Unter Dach und Fach gebracht wurde indes der Umbau der Asfinag in eine Holding mit Töchtern für Bau, Betrieb, Verkehrstelematik und Mautservice. Derzeit werden diverse Geschäftsführer gesucht, Anfang 2005 soll alles auf Schiene sein.

Expansionsgelüste

Bis dahin soll auch geklärt sein, ob und wie sich die staatlichen Straßenbauer an der Mautbetreibergesellschaft Europpass beteiligen werden. Wie anlässlich der Vergabe des Mautauftrags an die italienische Autostrade berichtet, hat die Asfinag das Recht, sich bei Europpass binnen zehn Jahren zum Nominalwert (20 Mio. Euro) einzukaufen bzw. diese zu übernehmen.

Die Schlüsselfrage ist nun, ob sie das mit einer Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) oder mit 50 Prozent tun soll, führt Asfinag-Präsident Quendler aus. Denkbar sei auch, dies im Verbund mit Partnern zu tun, etwa der Strabag-Tochter A-Way, die seinerzeit bei der Auftragsvergabe leer ausging, als Auftragnehmer aber doch dabei war. "Das Fenster wird wohl nicht zehn Jahre offen sein", sagt Quendler, der sich rasch eine Entscheidung wünscht.

Von Zeitpunkt und Umfang hängt ab, ob Europpass mit ihrem Partner Kapsch und dem Know-how aus Österreich in die EU-Erweiterungsländer expandieren darf. Derzeit darf sie das ohne Asfinag nicht. Letztere würde gern als Lizenzgeber auftreten, denn das österreichische Mautsystem sei billiger als das deutsche und funktioniere. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2004)

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