Darwin aus serbischen Schulbüchern gestrichen

10. September 2004, 17:22
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Bildungsministerin und "gläubige Frau" Liljana Colic gegen "Dogma" über die Entwicklung des Menschen

"Nur der liebe Gott hat die Welt und den Menschen geschaffen", erklärte die serbische Bildungsministerin, Liljana Colic, und strich am Mittwoch die Evolutionslehre von Charles Darwin aus dem Lehrplan für die achte Klasse der Grundschule in Serbien. Als eine gläubige Frau sehe sie nicht ein, warum das "Dogma" über die Entwicklung des Menschen vom Affen serbischen Kindern aufgedrängt werden sollte.

Die meisten Medien amüsierten sich köstlich, wie es die Ministerin schaffe, kurzerhand 3,7 Milliarden Jahre der menschlichen Evolution abzulehnen. Einige Elternverbände und mehrere Wissenschafter fanden hingegen, dass es überhaupt nicht witzig sei, "von der Welt ausgelacht" zu werden.

Die allgemein anerkannte Evolutionslehre abzulehnen, sei einfach "absurd" und versetze das serbische Bildungssystem ins Mittelalter, erklärte der Belgrader Bildungsexperte Dragoslav Marinkovic. Die Erklärung der Ministerin, dass sie den Lehrern nicht ausdrücklich verboten habe über Darwins Evolutionslehre zu unterrichten, und dass diese in den Büchern für die sechste Klasse ohnehin erwähnt wird, konnte die Kritiker auch nicht milder stimmen.

Der religiöse, national-konservative Premier Serbiens, Vojislav Kostunica, äußerte sich zunächst nicht. Vertreter der serbisch-orthodoxen Kirche freuten sich, zumal auch der Religionsunterricht in serbischen Schulen wieder Pflicht werden soll und ihr Einfluss in Serbien spürbar wächst. So löste die Rede von Bischof Filaret in Montenegro keine Empörung aus: Er rief das serbische Volk auf, "auf dem Wege fortzuschreiten, auf dem Karadjordje, Ratko Mladic und Radovan Karadzic vorangeschritten sind".

Ersterer war Führer des serbischen Volksaufstandes gegen die Türken, die anderen zwei genannten werden bekanntlich vom UN-Tribunal für Kriegsverbrechen gesucht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 9. 2004)

Von Andrej Invanji aus Belgrad
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