Schaler Nachgeschmack in Osteuropa

21. September 2004, 14:14
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Der Heineken-Tochter Brau Union bereiten heftige Preisschlachten in Märkten wie Ungarn oder Rumänien gehörige Probleme

Wien - Das deutsche Dosenpfand hat einen Effekt. Wenn auch nicht unbedingt nur den gewollten. In Deutschland wurde der Absatz an Bier in Blech dramatisch gedrückt. Doch die Kapazitäten sind da. Mit dem Ergebnis, dass deutsche Abfüller massenhaft Dosen nach Osteuropa zu Billigstpreisen exportieren. Die dortigen Märkte werden aufgemischt.

Rückgang

"Es ist klar, dass wir nicht zufrieden sind", sagt unter anderem deswegen Karl Büche, CEO der Heineken-Tochter Brau Union und Mitglied des Vorstandes beim holländischen Bierriesen. Der Nettoumsatz der ehemaligen BBAG, nunmehr für das Heineken-Geschäft in Zentraleuropa zuständig, ging im ersten Halbjahr um sieben Prozent auf 980 Millionen Euro zurück. Der Bierausstoß in den neun Märkten, in denen die Brau Union eigene Standorte hat, sowie im Exportgeschäft, sank um 5,3 Prozent. Dabei machte das kalte Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Positiv haben sich die Märkte Polen, Bulgarien, Kroatien entwickelt, in Österreich wurde trotz weniger Bierkonsums insgesamt der Marktanteil gehalten, so der neue Chief Operation Officer der Brau Union, Stefan Orlowski, bei der Präsentation der Semesterzahlen am Mittwoch. Problemmärkte waren vor allem Rumänien und Ungarn. In beiden Ländern fahren Mitbewerber mit Billigbier hinein. In Ungarn verlor die Brau Union dadurch fast 13 Prozent beim Bierabsatz. Eine "taktische Maßnahme" sei schon gesetzt worden, die Brau Union hat nun mit Adambräu in Dosen ihr eigenes Billigbier auf den ungarischen Markt geworfen.

Marketingoffensive

Dem soll nun mit einer Marketingoffensive in allen seinen Märkten gegengesteuert werden. Sie betrifft die jeweiligen Topmarken. Restrukturiert wird das Produktportfolio, das bedeute aber keine Gefahr für die angestammten Marken, wurde betont. Büche: "Wir werden uns doch nicht ins eigene Fleisch schneiden."

54,4 Millionen Hektoliter Bier hat der Biermulti Heineken im ersten Halbjahr 2004 weltweit verkauft, ein Fünftel mehr als zwischen Jänner und Juni 2003. "Organisch" gab es ein Plus von vier Prozent, 16 Prozent des neuen Absatzes kamen mit Firmenkäufen dazu. Die größte Akquisition betraf die Brau Union. Mit 12,8 Mio. Hektoliter Bier im ersten Halbjahr hat die Brau Union mit 16.000 Beschäftigten rund 23,5 Prozent des Konzernabsatzes bestritten.

"Derzeit keine Verkaufspläne"

Für das Nicht-Bier-Geschäft der Brau Union (Gasteiner Mineralwasser und Pago Fruchtsäfte), immer wieder Mittelpunkt von Verkaufsspekulationen, gebe es "derzeit keine Verkaufspläne", so Brau-Union-Finanzchef Wolfgang Berger-Vogel. (szem, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2004)

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    Brau-Union-Vorstand Karl Büche (l.) und Heineken-Chef Anthony Ruys (r.).

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